Förderzeitraum abgelaufen

Quartiersnahe soziale Netzwerke für demenzkranke Menschen

Das Projekt bezieht mit gezielten Angeboten Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in nachbarschaftliche Netzwerke ein.

Förderzeitraum

Januar 2012 bis Dezember 2014

Programm

Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen

Arbeitsfeld

Kooperation und Vernetzung / Ergänzung und Bündelung von Angeboten / Schließung von Versorgungslücken / Profi-Laien-Mix

Schwerpunkt

Das Projekt verbessert das Wohnen und die Versorgung von Menschen mit Demenz.

Projektträger

Der Paritätische Oldenburg-Ammerland
Ziegelhofstraße 125 - 127
26121 Oldenburg
Niedersachsen
www.oldenburg.paritaetischer.de

Kurzbeschreibung

Das Projekt zielte auf die Einbeziehung von Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in bestehende nachbarschaftliche Netzwerke. Mit professioneller Begleitung wurde eine ehrenamtliche Wohnumfeldberatung zu Hilfsmöglichkeiten (Sensormatten, Einrichtung von Orientierungspunkten in der Wohnung) aufgebaut. Es wurden unterstützende Angebote wie Erinnerungsarbeit, Gedächtnistraining und Informationsveranstaltungen organisiert. Das Café "Herzreich" für Menschen mit Demenz sowie Betreuungsgruppen mit Unterstützung von Ehrenamtlichen aus dem Quartier haben dazu beigetragen, pflegende Angehörige zu entlasten.

Das Projektkonzept hat das bestehende Projekt "LeNa – Lebendige Nachbarschaften" weiterentwickelt, das mit der Organisation gegenseitiger Hilfe von Alt und Jung bei Einkäufen oder Arztfahrten den Aufbau sozialer Netzwerke im Wohnumfeld fördert.

Maßnahmen im Projektverlauf

  • Start eines ehrenamtlichen Besuchsdienstes zum 01. April 2012, um Betroffene nach Möglichkeit zu aktivieren und Angehörige zu entlasten
  • Seminar für Erkrankte im Frühstadium und deren Angehörige über vier Wochen (ab 20. Juni 2012) mit 12 Teilnehmenden
  • Daraus resultierend: monatlicher Gesprächskreis für Demenzkranke und Angehörige von Demenzkranken (offen für weitere Interessentinnen und Interessenten)
  • "Notfallkärtchen" für Demenzkranke im Frühstadium
  • Seminar: "Alltagstaugliche Hilfsmittel für Demenzkranke im Wohnumfeld (22. November 2012)
  • Erstellung von Flyern zum Projekt
  • Anschaffung von Literatur, Spielen und technischen Ausstattungen zur Anschauung und zur Ausleihe an ehrenamtliche Helferinnen und Helfer wie auch an betroffene Angehörige. Sukzessiver Ausbau des Materialpools.
  • Seminar für freiwillig Engagierte im Besuchsdienst: In einer insgesamt 20stündigen Schulung (10 x 2 Stunden) Vermittlung von Basiswissen durch zwei qualifizierte Fachkräfte zu verschiedenen Krankheitsbildern, Methoden der Kommunikation und Gesprächsführung sowie zur Betreuung und Beschäftigung. Der Kurs wendete sich an die bereits tätigen Ehrenamtlichen, war aber auch für neue offen, die dadurch in den Besuchsdienst einsteigen konnten. Zeitraum: Oktober – Dezember 2013. Ein zweites Seminar sollte im Oktober 2014 stattfinden.
  • Um die Nachhaltigkeit des Projektes zu verbessern, wurde mit Unterstützung des Gerontologischen Instituts der Universität Vechta im Sommersemester 2014 ein Forschungsseminar durchgeführt, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Angehörige von Menschen mit Demenz besser mit Entlastungsangeboten erreicht werden können. Mit narrativen Interviews und in sich anschließenden Masterarbeiten wurde der Frage nachgegangen, aus welchen Gründen Angehörige von Menschen mit Demenz Hilfsangebote wie Gesprächskreise, Tagesbetreuung oder technische Unterstützungsmöglichkeiten oft nicht nutzen, obwohl in Abfragen in der Regel ein hoher Bedarf signalisiert wird.
  • ab Januar 2014: Fortbildung einer Anleitungskraft für die ehrenamtlichen HelferInnen zur Demenzfachkraft (IHK) im Fernstudium
  • ab Januar 2014: Multiplikatorenfortbildungen: Einzelne interessierte Helfer/innen im Besuchsdienst und im Café Herzreich besuchen Fachvorträge und geben als MultiplikatorInnen ihr Wissen in Teambesprechungen an die übrigen Helferinnen und Helfer weiter. Für die Interessenten war diese Fortbildung ein Benefit für die bisher und zukünftig geleistete ehrenamtliche Tätigkeit, die übrigen Teilnehmer/innen profitieren ebenfalls von den neuen Anregungen. Themen:
    • Betreuung und Beschäftigung für Menschen mit Demenz
    • Ernährung und innovative Ernährungsformen für Menschen mit Demenz
    • Demenzgerechte Millieugestaltung und Orientierungshilfen
    • Kommunikation und Validation mit Menschen mit Demenz
    • 10-Minuten-Aktivierung in der Demenzbetreuung
    • Umgang mit herausforderndem Verhalten in der Demenzbetreuung

Werkzeuge aus dem Projekt

Curriculum für Ehrenamtliche im Besuchsdienst für Menschen mit Demenz

Ein 20-stündiges Seminar des Paritätischen Oldenburg-Ammerland bereitet Interessierte auf eine freiwillige Tätigkeit im Besuchsdienst für demenziell erkrankte Menschen vor. Das Curriculum für die zwölfköpfige Gruppe vermittelt Basiswissen zu verschiedenen Krankheitsbildern, Methoden der Kommunikation und Gesprächsführung sowie zur Betreuung und Beschäftigung. Türöffner und Stolpersteine bei der Kontaktaufnahme, Hilfen im Alltag, zum Beispiel beim Essen, Anziehen und außer Haus gehen, rechtliche Grundlagen und die Beschäftigung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer sind weitere Elemente des Seminars.

Demenzcafé

Stundenweise Entlastung für Angehörige, aber auch Spaß und Aktivität für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung im Anfangsstadium bietet ein Demenzcafé, wie es beispielsweise von der Leitstelle "Älter werden in Ahlen" und dem Paritätischen Oldenburg-Ammerland mit dem "Café Herzreich" angeboten wird. In kleinen Gruppen treffen sich die Erkrankten für einige Stunden zum Singen, Malen, Kaffeetrinken und zu Karten- oder Gesellschaftsspielen. Ehren- oder Hauptamtliche begleiten die Treffen und bieten auch Gedächtnistraining, Biografiearbeit oder kleine Entspannungs-oder Bewegungsübungen an.

Materialpool Demenz

Das Infocafé des Paritätischen Oldenburg-Ammerland bietet nicht nur Vorträge zum Thema Demenz und ein Café für Erkrankte. Betroffene, Angehörige und Ehrenamtliche können sich darüber hinaus Bücher, Spiele und technische Hilfsmittel ausleihen. Der Materialpool soll weiter ausgebaut werden.

Notfallkärtchen für Demenzkranke im Frühstadium

Für Menschen mit Demenz im Frühstadium hat der Paritätische Oldenburg-Ammerland ein Notfallkärtchen entwickelt, das Außenstehenden im Notfall hilft, Betreuungspersonen zu verständigen.

Studie: Was brauchen Demenzkranke und ihre Angehörigen?

Warum nehmen Demenzkranke und ihre Angehörigen auch niedrigschwellige Hilfen so wenig in Anspruch, fragten sich die Projektbeteiligten des Paritätischen Oldenburg-Ammerland. In einer Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Gerontologischen Institut der Universität Vechta entstand, befragten Studierende 32 (ehemals) pflegende Angehörige zu ihren Wünschen und dem Hilfebedarf der Demenzkranken. In offenen Interviews konnten die Pflegenden erzählen: Wo suchen sie sich Hilfe? Welche Angebote nehmen sie in Anspruch und welche nicht? Woran fehlt es? Die Antworten wurden in einem Schaubild dargestellt. Daraus geht hervor, dass sich Angehörige gern über "kurze Wege“ in Arztpraxen oder bei Krankenkassen informieren, sich darüber hinaus aber umfassende, spezialisierte professionelle Anlaufstellen für alle Fragen rund um Pflege und Demenz wünschen.

Zusatzinformationen

  • Angeleiteter Gesprächskreis für Demenzkranke (einmal im Monat)
  • Infocafémit Vorträgen zu Themen wie "Hilfsmittel für demenziell Erkrankte"
  • Für Menschen mit Demenz im Frühstadium wurde ein Notfallkärtchen entwickelt, das Außenstehenden im Notfall hilft, Betreuungspersonen zu verständigen.
  • Curriculum des Seminars für (zukünftige) ehrenamtliche Helfer/innen im Besuchsdienst für Menschen mit Demenz.
  • Zusammenfassung der Ergebnisse des Studienprojekts in Kooperation mit der Universität Vechta.