Austausch zu Fragen von Wohnen und Pflege

Harvard Universität und Stiftung German Marshall Fund besichtigten Projekte

Es war ein hoher und nicht alltäglicher Besuch. Eine Forschungsgruppe der Stiftung German Marshall Fund und des Instituts für Wohnen und Stadtentwicklung der Universität Harvard besichtigte Standorte in Berlin und in Hannover, um sich aus erster Hand einen Eindruck über Konzepte und Lösungsansätze des gemeinschaftlichen und altersgerechten Wohnens zu verschaffen.

Die erste Station führte die Delegation - Dr. Chris Herbert und Dr. Jennifer Molinsky (Harvard) sowie Dr. Anne Marie Brady (Marshall Fund) - zum Berliner Institut STATTBAU. Am Beispiel der Metropole Berlin diskutierten die Fachleute, wie in einer wachsenden urbanen Region innovatives Wohnen und Stadtentwicklung miteinander verbunden und als Chance für bedarfsgerechte Wohn- und Lebensumgebungen erkannt werden können. Ein Besuch bei dem in Holzbauweise entstehenden Wohnprojekt "Walden 48" gab einen Einblick in die Praxis.

Dies gilt auch für den zweiten Besuchstag, der in dem von Bundesseite geförderten Musterwohngebäude in der Berliner Sredzkistraße 44 stattfand. Angehörige der Mietergenossenschaft SelbstBau als Träger und Bauherr, aber auch des Bundesfamilienministeriums, des Bundesbauministeriums und der Förderbank KFW erläuterten die mit dem Projekt und mit weiteren Initiativen verfolgten Ziele, ein in das Wohnumfeld integriertes, barrierearmes und zugleich bezahlbares Wohnangebot zu schaffen.  Eine Begehung der Musterwohnung zeigte die Möglichkeiten niedrigschwellig und nutzungsfreundlich gestalteter Ausstattung für ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Dass gerade der genossenschaftliche Ansatz wesentliche Voraussetzungen für Partizipation und Identifikation der Menschen mit "ihrer" Wohnumgebung schafft, zeigte auch der Besuch bei einem weiteren Projekt der Genossenschaft, dem Gemeinschaftswohnhaus Werkpalast in Berlin Lichtenberg.

Den Bogen zu aktuell in der Förderung stehenden Projekten schlug eine Visite bei der Bundesvereinigung des Forums für Gemeinschaftliches Wohnen in Hannover. Dort informierte sich die Delegation bei der Regiestelle des Programms "Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben" über aktuelle Herausforderungen und praktische Umsetzungen, auch zur Verbindung der Themen Pflege und Versorgung mit modernen Wohnformen. Ein Besuch im Arbeitsbereich "Konzertierte Aktion Pflege" des Bundesgesundheitsministeriums und bei der Forschungsstelle Pflegeversicherung des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung vertiefte die Themen – und ermöglichte der Delegation weitere Antworten aus der jeweiligen Perspektive.

In einem Fachaustausch mit dem Leiter der Abteilung Demografischer Wandel, Ältere Menschen, Wohlfahrtspflege im Bundesfamilienministerium, Prof. Dr. von Schwanenflügel, zogen die Gäste Bilanz. Es gehe darum, praxistaugliche Antworten zu geben auf demografische Entwicklungen, die die Potenziale und das Engagement der Menschen einbinden und niemanden ausschließen. Wie dies auch weiter gestaltet werden und konkret aussehen kann, darüber möchten beide Seiten miteinander in Kontakt bleiben.

Weitere Informationen

Harvard Universität – Institut für Wohnen und Stadtentwicklung (Englisch)
www.jchs.harvard.edu/

Stiftung German Marshall Fund (Englisch)
www.gmfus.org  

Musterwohngebäude Berlin
www.sredzki44.de

STATTBAU – Stadtentwicklungsgesellschaft Berlin
www.stattbau.de

Programm „Altersgerecht umbauen“ der KFW Förderbank
www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilien/Finanzierungsangebote/Altersgerecht-umbauen-(159)/index-2.html

Forschungsstelle Pflegeversicherung des GKV Spitzenverbands
www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/forschung/forschung.jsp