Förderzeitraum beendet

Ländliches Wohn- und Integrationszentrum für Menschen mit Behinderung, Scheibenberg

Verbesserung der Wohn– und Lebensmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen

Das Projekt

  • Ganzheitliches Angebot für Menschen mit einer geistigen Behinderung: Wohnen, Arbeiten, Freizeit
  • kleine Wohngemeinschaften mit familienähnlichen Strukturen
  • Begegnungsstätte mit Beratungsstelle
  • vielfältige Arbeitsangebote lokaler Firmen und Einrichtungen
  • Integration ins Gemeindegeschehen

Der Standort

Krankenhausstraße
09481 Scheibenberg
Sachsen
www.diakonie-annaberg.de

Nutzungskonzept

Das Zentrum als Lebensmittelpunkt

Das Wohn- und Integrationszentrum macht erwachsenen Menschen mit einer geistigen Behinderung vielfältige und ganzheitliche Unterstützungsangebote in den Bereichen Wohnen, Arbeit, Tagesstrukturierung und Freizeit. Im Vordergrund steht die individuelle Begleitung und Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner. Selbstbestimmung und Selbstständigkeit werden gefördert, wichtig sind auch persönliche Sicherheit und Schutz.

Die Angebote richten sich an:

  • Menschen, die bereits einer externen Beschäftigung nachgehen, was jedoch kein Aufnahmekriterium ist
  • Schulabgänger direkt an den Anschluss ihrer Schulzeit
  • Menschen, die bisher im familiären Umfeld mit ihren Eltern lebten
  • Senioren und Vorruheständler, die ihre Tätigkeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen beendet haben
  • Menschen, die im Heim "überbetreut" und in ihrer Entfaltung eher eingeschränkt sind

Familiäre Wohngemeinschaften

Die drei kleinen, überschaubaren Wohngemeinschaften haben familienähnliche Strukturen. Je vier Personen leben in einer Wohngemeinschaft möglichst eigenständig und selbstständig zusammen. Ein auf die Person zugeschnittener Hilfeansatz ist die sozialtherapeutische Grundlage für die Betreuung in den Wohngruppen. Die Bewohnerinnen und Bewohner mit ihren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen sind Mittelpunkt des Betreuungsalltags. Die Betreuung übernehmen fachkompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sie verstehen sich als Lebensbegleiter. Für sechs zu betreuende Bewohnerinnen und Bewohner gibt es eine volle Stelle. Für die Nachtstunden wird eine Rufbereitschaft garantiert.

Die Wohngemeinschaften werden pflegesatzfinanziert. Um eine flexible und individuelle Betreuung zu ermöglichen, müssen mit dem Kostenträger differenzierte Betreuungs– und Finanzierungsbausteine als Einzelfallentscheidung abgestimmt werden. Die Gesamtkosten sollen dabei die Kosten für einen vergleichbaren Heimplatz nicht übersteigen.

Begegnung und Beratung

Zum Zentrum gehören neben dem Wohnangebot eine Begegnungsstätte und Beratungsstelle. Sie ist mit ihrer Komm-Struktur offen für die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngruppen und auch für Besucherinnen und Besucher. Das ermöglicht vielfältige Kontakte und Begegnungen. Die Angebote können flexibel nach den individuellen Bedürfnissen in Anspruch genommen werden.

Die Schwerpunkte sind:

  • Die Begegnungsstätte macht tagesstrukturierende Angebote für Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngruppen die auch von Menschen mit Behinderung genutzt werden können, die nicht im Zentrum wohnen.
  • Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten Bewohnerinnen und Bewohner in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und sind die Kontaktpersonen für externe Arbeitgeber.
  • Die Begegnungsstätte soll ein Treffpunkt für Menschen mit und ohne Behinderung werden, ein soziokulturelles Zentrum in und für Scheibenberg.

Integration ins Gemeindegeschehen

Das Zentrum wird in das Gemeindeleben integriert, die Bewohnerinnen und Bewohner sollen dazu gehören. Die infrastrukturellen Angebote der Kleinstadt Scheibenberg können vom Zentrum gut genutzt werden, insbesondere externe Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngruppen. Lokale Firmen und Einrichtungen machen vielfältige Angebote an Arbeit und Beschäftigung. Hinzu kommen gemeinsame Aktivitäten, Projekte, Feste mit den örtlichen Einrichtungen wie Schule, Kindergarten, Kirchengemeinden, Vereinen sowie mit örtlich ansässigen Künstlern.

Architektur

Guter Standort in der Gemeinde

Der Neubau steht in einer ländlichen reizvollen Lage, in Sichtverbindung zu Schule, Kindergarten, Sporthalle, Sportplatz. Er befindet sich nahe dem Ortszentrum und ist gut angebunden an Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen, medizinische Betreuung und Kulturangebote. Es gibt auch eine gute Busverbindung und im näheren Umfeld Freizeit- und Erholungseinrichtungen.

Überschaubare Wohngemeinschaften

Drei Ebenen des zweigeschossigen, zweiflügligen Gebäudes werden von je einer Wohngemeinschaft (vier Plätze) genutzt. Die beiden Obergeschossebenen werden über eine Treppe zwischen den beiden Gebäudeteilen erschlossen. Der Treppenraum wird als transparenter Glaskörper ausgebildet. Jede Wohngemeinschaft hat eine Größe von jeweils 128 Quadratmetern. Dazu gehören vier Einzelzimmer mit Balkon (insgesamt je 18 Quadratmeter), ein Gemeinschaftsraum mit 27 Quadratmetern, Küche, Bad, Dusche und Eingangsbereich.

Gemeinschaftsbereich

Im Erdgeschoss des südlichen Flügels liegt der gemeinschaftliche Bereich mit insgesamt 50 Quadratmeter. Der Gemeinschaftsraum wird über den zentralen Treppenraum erschlossen, das Büro hat zusätzlich einen separaten Zugang von außen. Mit 16 Quadratmeter ist der Gemeinschaftsraum mit Küchenzeile eher knapp bemessen. Auf der Ebene des Gemeinschaftsbereichs liegt auch die 2-Zimmer-Wohnung des betreuten Wohnens. Sie wird über einen kleinen Windfang direkt von außen erschlossen, hat 67 Quadratmeter und zusätzlich mehrere Terrassenbereiche.

Attraktive Freibereiche und Freiflächen

Neben den kleinen privaten Freibereichen bietet das ebene Gelände mit über 4.000 Quadratmetern ausreichend Freiflächen für Aktivitäten draußen. Sitzmöglichkeiten gibt es vor dem Gebäude Richtung Straße und natürlich im Garten. Im Garten können Beete angelegt und eventuell auch Kleintiere gehalten werden. Gartenterrasse und Wiese eignen sich für Erholung, Sport und Spiel. Besonders schön ist auch die Weitsicht - vom Fuß des Scheibenbergs auf das Erzgebirge.

Fazit

Das Wohn– und Integrationszentrum eröffnet Menschen mit geistiger Behinderung die Möglichkeit, in einer gemeinschaftlich gestalteten Wohnform mit einem Höchstmaß an Autonomie und Selbstbestimmung zu leben. Die kleine Einrichtung in ländlicher Umgebung integriert sich durch die Nutzung der lokalen Beschäftigungsmöglichkeiten und gemeinsame Aktivitäten mit den Einrichtungen in der Stadt intensiv in das Gemeindeleben und schafft durch ihre Öffnung vielfältige Begegnungsangebote für Menschen mit und ohne Behinderung. Das Haus steht so für eine neue Generation von Einrichtungen und Angeboten, die mehr auf Inklusion der Menschen und weniger auf klassische Formen der Fürsorge setzen.

Projektdetails

Träger

Diakonisches Werk der Evangelischen Landeskirche Sachsens im Kirchenbezirk Annaberg e. V.
Barbara-Uthmann-Ring 157/158
09456 Annaberg-Buchholz

Architekt

Luft Gesamtplan GmbH
Hauptstraße 13
09474 Crottendorf OT Walthersdorf

Fertigstellung

Ende 2009

Gesamtkosten

726.000 Euro

Förderungen BMFSFJ

300.000 Euro

Land Sachsen

226.000 Euro

Landkreis Annaberg

100.000 Euro

Eigenmittel

100.000 Euro

Fläche

insgesamt 550 Quadratmeter Nettogrundfläche
davon Wohngruppen 411 Quadratmeter Nettogrundfläche
Betreutes Wohnen 70 Quadratmeter Nettogrundfläche
Begegnung und Beratung 69 Quadratmeter Nettogrundfläche

Plätze

zwölf Plätze verteilt auf drei Wohngemeinschaften
eine 2-Zimmer-Wohnung für ein Paar

Zusätzliche Angebote

Begegnungstätte mit Beratungsstelle