Förderzeitraum beendet

Mehr–Generationen–Wohnen am Bärenhof, Hamburg-Langenhorn

Mehr Gemeindeintegration - zukunftsweisendes Wohnen - bessere gesellschaftliche Teilhabe

Das Projekt

  • Vorteile des genossenschaftlichen Wohnens
  • Zusammenleben von Alt und Jung
  • ergänzende Serviceangebote (Sicherheit, Vorsorge und Service-Karte)
  • ambulant betreute Wohngemeinschaft für Demenzkranke
  • multifunktionale Gemeinschaftsflächen
  • gemeindebezogener Ansatz
  • Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner am Planungsprozess

Der Standort

Bärenhof 1-4
22419 Hamburg–Langenhorn
Hamburg
www.fluwog.de

Nutzungskonzept

An der Hamburger Stadtgrenze wurden im Stadtteil Langenhorn rund 50 Wohneinheiten gebaut. Das besondere daran: Das genossenschaftlich organisierte Bauprojekt mit beispielhaften Betreuungsangeboten baut auf bürgerschaftlichem Engagement und genossenschaftlicher Selbsthilfe auf und ist speziell auf Wohnbedürfnisse älterer Menschen und Familien zugeschnitten.

Zwei zusammenhängende Wohnprojekte

Das Vorhaben verbindet zwei Wohnprojekte miteinander. Eines davon – genannt "De olen Smugglers" – wendet sich an Seniorinnen und Senioren, die sich in einer Initiative zusammengeschlossen haben und sich ein eigenständiges gemeinschaftliches Wohnen im Alter ermöglichen wollen. Es umfasst 22 der insgesamt 47 Wohnungen und wurde unter aktiver Beteiligung der späteren Bewohnerinnen und Bewohner geplant. Die übrigen 25 Wohnungen befinden sich im Wohnprojekt "Die Tarpens". Es richtet sich an Familien und an ältere Menschen, die generationenübergreifend zusammen leben wollen. Auch hier waren die späteren Nutzer in die Planung aktiv eingebunden.

Durch diese besondere Verbindung der Wohnangebote sollen Engagement und nachbarschaftliche Selbsthilfe sowohl von jungen Familien als auch von älteren Menschen gefördert und unterstützt werden.

Zusätzliche Angebote

Das Mehr-Generationen-Wohnen am Bärenhof stellt sich auf einen unterschiedlichen Hilfe– und Unterstützungsbedarf älterer Menschen ein. Daher werden die beiden Wohnprojekte durch eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für demenziell erkrankte Menschen ergänzt. Sie bietet eine Alternative zur bisherigen ausschließlich auf häusliche oder stationäre Pflege ausgerichteten Betreuung. Darüber hinaus wurde ein Service– und Beratungsangebot auch für die älteren Bewohnerinnen und Bewohner des angrenzenden Stadtteils geschaffen. Dieses beinhaltet unter anderem eine Sozial– und Behördenberatung sowie die sogenannte "Leistung on demand", bei der je nach persönlichem Bedarf nachbarschaftliche oder professionelle Hilfen kleiner oder umfangreicher Art vermittelt werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Projekts wie auch des gesamten Stadtteils können damit auf spezielle Beratungs–, Betreuungs– und Serviceleistungen in der Nähe ihrer Wohnung zurückgreifen.

Nachbarschaftshilfe mit professioneller Unterstützung

Ein Schwerpunkt des genossenschaftlichen Wohnens liegt auf der nachbarschaftlichen Unterstützung. Durch das Serviceangebot wird aktiv ein Nachbarschaftsnetz aufgebaut. Nachbarschaftshilfe ist ausdrücklich gewünscht und wird gefördert. Da wo sie an Grenzen stößt, stehen bei Bedarf professionelle Hilfen bereit, um einzuspringen und um zu unterstützen. Auf diese Weise wird eine optimale Voraussetzung dafür geschaffen, dass alte Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden und in ihrer vertrauten Nachbarschaft wohnen können.

Kooperationsstruktur

In diesem Projekt ziehen viele Beteiligte an einem Strang. Neben der Genossenschaft als Bauherr sind dies die Bewohnerinnen und Bewohner, die aktiv in die Planung einbezogen waren, die Architektinnen und Architekten, die möglichst viel von dem umsetzten, was gewünscht wurde und schließlich der Altenhilfeträger für die Wohngemeinschaft demenziell Erkrankter und für das Service– und Beratungsangebot. Bei so vielen und vielschichtigen Interessen ist der Bedarf an Abstimmung und Koordination besonders hoch. Gut wenn da ein zentraler Projektkoordinator bereit steht, um im Fall der Fälle zu vermitteln und – wie in Hamburg – die Stadt selbst da ist, die bereits über große Erfahrung bei der Umsetzung ähnlicher Projekte mit Bauherren– und Nutzergemeinschaften verfügt.

Architektur

Das Mehr–Generationen–Wohnprojekt entstand auf einem rund 6.000 Quadratmeter großen städtischen Grundstück an der nördlichen Stadtgrenze mit Unterstützung der Agentur für Baugemeinschaften in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Hansestadt. Es besteht im Wesentlichen aus zwei grundsätzlich barrierefreien Gebäudeteilen, in denen die beiden Wohnprojekte "De olen Smugglers" und "Die Tarpens" untergebracht sind und für deren Entwurf zwei verschiedene Architekturbüros verantwortlich zeichnen. Beide Teile sind jedoch in einem kammartigen Gesamtensemble miteinander verbunden. Der Gebäudeteil, in dem sich das Projekt "Die Tarpens" befinden wird, ist durch eine aufgelockerte Bebauung mit unterschiedlichen Höhen und Fassadensprüngen gekennzeichnet. Der Gebäudeteil der "olen Smugglers" ist kompakter und wird besonders auf der Nordseite durch Laubengänge geprägt.

Beteiligung in der Planungsphase

Bereits bei der Planung des Projekts wurden die Bewohnerinnen und Bewohner einbezogen. Sie konnten nach dem Hamburger Modell der Bau– und Hausgemeinschaften besonders an der Planung des Wohnungsgrundrisses, der Ausstattung der Wohnungen und der Freiflächengestaltung mitwirken und zum Teil Mitverantwortung an der Wohnungsvergabe und Wohnungsverwaltung übernehmen. Das betraf vor allem die Aktiven des Projekts "De olen Smugglers", die bereits seit mehreren Jahren an der Verwirklichung eines gemeinsamen Wohnprojekts arbeiteten. Aber auch im Projekt "Die Tarpens" hatten sich bereits einige Mieterinnen und Mieter zusammengeschlossen, die aktiv an der Gestaltung ihrer zukünftigen Umgebung mitarbeiteten.

"De olen Smugglers"

Die 22 Wohnungen des Projekts "De olen Smugglers" befinden sich im westlichen Teil der Wohnanlage im ersten bis dritten Obergeschoss. 21 Wohnungen sind Zwei–Zimmer–Wohnungen von 44 bis rund 70 Quadratmetern. Eine Wohnung hat vier Zimmer mit einer Fläche von 94 Quadratmetern. Alle Wohnungen haben einen Balkon oder eine Dachterrasse. Die Fenster sind bodentief und ermöglichen so einen guten Blick nach außen. Erschlossen werden die einzelnen Wohnungen durch ein Treppenhaus mit Aufzug, von dem aus Laubengänge zu den Wohnungen führen. Eine Besonderheit des Wohnprojekts sind die Gemeinschaftsflächen. Es gibt im Erdgeschoss des Gebäudes einen insgesamt rund 75 Quadratmeter großen Gemeinschaftsraum mit separatem Eingang, Küche und Tresen und einem barrierefreien Bad. Hinzu kommen eine circa 70 Quadratmeter große, gemeinschaftlich nutzbare Dachterrasse im obersten Geschoss und ein Sportraum im Keller.

Wohngemeinschaft für ältere Demenzkranke

Die Wohngemeinschaft für ältere Demenzkranke befindet sich im Erdgeschoss des Gebäudeteils der "olen Smugglers". Sie besteht aus acht Einzelzimmern mit jeweils eigenem Sanitärbereich. In zwei der acht Zimmer wird das Bad barrierefrei nach DIN 18025 Teil 1 ausgebaut. Die einzelnen Zimmer haben eine Größe von 25 bis 30 Quadratmetern. Die Fenster sind wie in den darüber liegenden Geschossen bodentief. Mittelpunkt der Wohngemeinschaft ist ein Gemeinschaftsbereich mit Küche, Ess– und Wohnfläche. Er ist circa 115 Quadratmeter groß und bietet vielfältige Aufenthalts– und Bewegungsmöglichkeiten. Ein großer Flur schafft die für Demenzkranke nötige Bewegungsfläche.

Stadtteilbezogenes Serviceangebot

Ebenfalls im Erdgeschoss der "olen Smugglers" befinden sich die Räume für das Service–Angebot für ältere Menschen. Die Serviceräume werden dabei sowohl für Veranstaltungen als auch zur Beratung genutzt und müssen dementsprechend vielseitig sein. Es gibt neben einem behindertengerechten WC und einem Abstellraum daher ein kleines Büro mit 12 Quadratmetern und einen größeren Multifunktionsbereich mit Küche (insgesamt rund 40 Quadratmeter). Von dem benachbarten Gemeinschaftsraum der "olen Smugglers" ist er nur durch eine Faltwand getrennt, sodass beide Räume bei Bedarf zusammengelegt werden können.

"Die Tarpens"

Das genossenschaftliche Wohnen "Die Tarpens" richtet sich sowohl an Familien mit Kindern wie an Senioren und Seniorinnen. Dementsprechend groß ist die Bandbreite der angebotenen Wohnungsgrößen und –grundrisse. Insgesamt sind in diesem Teil des Gebäudes 25 Wohnungen auf vier Etagen untergebracht. Zehn Wohnungen haben zwei Zimmer, sechs haben drei Zimmer, acht besitzen vier Zimmer und im obstersten Geschoss gibt es zudem eine Fünf–Zimmer–Wohnung. Alle Wohnungen im Erdgeschoss und unter dem Dach haben eine eigene Terrasse, die Wohnungen in den übrigen Etagen einen Balkon. Auch hier gibt es einen Gemeinschaftsraum für alle Bewohnerinnen und Bewohner im Erdgeschoss. Zur Erschließung dienen drei Treppenhäuser, von denen in der Regel pro Etage zwei bis drei Wohnungen erreicht werden können. Zwei der Treppenhäuser haben einen Aufzug. Im dritten wurde dafür kein Platz vorgesehen. Durch dieses Treppenhaus wird aber auch jeweils nur eine Wohnung im ersten und zweiten Obergeschoss erschlossen.

Fazit

Das Hamburger Projekt ist bemerkenswert, weil es durch engagierte Menschen mit ihren ganz konkreten Vorstellungen vom Wohnen im Alter initiiert wurde und – mit einer gewissen Konsequenz – in genossenschaftlicher Struktur realisiert und betrieben werden soll. Hinzu kommt, dass durch den generationsübergreifenden Ansatz ganz unterschiedliche Wohn– und Lebensformen von der Familie mit Kindern bis hin zu allein oder zu zweit lebenden Seniorinnen und Senioren zusammengebracht werden. Diese große Bandbreite ist Ausgangspunkt für ein Netzwerk von Nachbarschaftskontakten, das die gegenseitige Hilfe in den Mittelpunkt stellt. Reicht die Nachbarschaftshilfe nicht mehr aus, ist professionelle Unterstützung möglich. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass sich Kontakte und Unterstützung nicht nur auf das Projekt selbst beschränken, sondern auch andere Menschen aus dem angrenzenden Stadtteil einbeziehen. Insgesamt ein mustergültiges Beispiel genossenschaftlichen Wohnens.

Projektdetails

Träger

Baugenossenschaft FLUWOG–NORDMARK eG
Wiesendamm 9
22305 Hamburg

Betrieb Wohngemeinschaft und Service-Stützpunkt

Martha Stiftung
Eilbeker Weg 86
22089 Hamburg

Architektin

Prof. Dipl.–Ing. Beata Huke–Schubert
Eppendorfer Landstraße 36
20249 Hamburg

Projektentwicklung und -betreuung

STATTBAU HAMBURG GmbH
Sternstraße 10
20357 Hamburg

Fertigstellung

2007

Gesamtkosten

rund 7.500.000 Euro

Förderung BMFSFJ

560.000 Euro

Fläche

4.100 Quadratmeter Nutzungskonzept ohne Untergeschoss
5.000 Quadratmeter Nutzungskonzept einschließlich Untergeschoss
davon "De olen Smugglers" 2.200 Quadratmeter Nutzungskonzept einschließlich Untergeschoss
davon "Die Tarpens" 2.800 Quadratmeter Nutzungskonzept einschließlich Untergeschoss

Angebote

47 familien- und seniorengerechte und behindertenfreundliche Genossenschaftswohnungen
ambulant betreute Wohngemeinschaft mit 8 Zimmern für demenziell erkrankte Menschen
quartierbezogenes Service– und Beratungsangebot für Wohnen im Alter