Förderzeitraum beendet

Wohnstätte Am Anger - Gemeinsames Leben junger und älterer Menschen mit Behinderungen, Bad Blankenburg

Verbesserung der Wohn– und Lebensmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen

Das Projekt

  • Jung und Alt unter einem Dach
  • kleine, altersgetrennte Wohngruppen
  • rollstuhlgerechtes Gebäude
  • Alltagsassistenz für die Älteren
  • heilpädagogisches Konzept für die Jungen
  • Öffnung in die Gemeinde

Der Standort

Am Anger 9
07422 Bad Blankenburg
Thüringen
www.diakonie-wl.de/gesellschafter-evangelische-stiftung-christopherushof.html

Nutzungskonzept

Jung und Alt unter einem Dach

Die Modellwohnstätte für junge und ältere Menschen mit Behinderungen hat zwei Zielgruppen: Kinder und Jugendliche mit schweren Behinderungen bis zu einem Alter von etwa 25 Jahren und älter werdende und alt gewordene Menschen mit geistiger Behinderung zwischen 50 und 70. Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Hauses war die jüngste Bewohnerin drei Jahre, der älteste Bewohner 64 Jahre alt. Zwölf jüngere und zwölf ältere Bewohnerinnen und Bewohner leben in insgesamt vier Wohngruppen unter einem Dach. Um den verschiedenen Bedarfslagen der beiden Zielgruppen gerecht werden zu können, sind die Wohngruppen nach Alter getrennt. Damit die beiden Altersgruppen durch das gemeinsame Wohnen intensiv voneinander profitieren, haben gruppenübergreifende Aktivitäten eine hohe Bedeutung. Das Gefühl, gegenseitig gebraucht zu werden, wird dadurch gestärkt.

Individuelle Hilfe und Betreuung

Für die beiden Zielgruppen wurden unterschiedliche Betreuungskonzepte entwickelt: Alltagsassistenz für die Seniorinnen und Senioren, ein heilpädagogisches Konzept für die Kinder und Jugendlichen. Basis ist immer die ganzheitliche Betrachtung des Menschen mit Behinderung in jedem Lebensalter. Die "assistierende Lebensbegleitung" bindet die älteren Bewohnerinnen und Bewohner aktiv in das tägliche Leben ein. Sie respektiert ihre persönlichen Freiräume und unterstützt gleichzeitig ihre individuelle Lebensentfaltung. Bei der Betreuung der Kinder und Jugendlichen steht die Entwicklung einer tragfähigen emotionalen zwischenmenschlichen Beziehung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den Bewohnerinnen und Bewohnern im Vordergrund. Zu den vielfältigen therapeutischen Angeboten der Wohnstätte gehören: Physiotherapie, Ergotherapie, musisch–ästhetische Angebote (Musik– und Kunsttherapie), Körper– und Bewegungserfahrung (unter anderem Reittherapie, Schwimmtherapie), Soziotherapie, geistig–ethische Begleitung.

"Bezugspersonensystem"

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestalten in der Wohnstätte den Tagesablauf mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Dabei hat jede Bewohnerin und jeder Bewohner eine feste Bezugsperson, die für sie beziehungsweise ihn hauptverantwortlich ist. Dadurch und aus dem alltäglichen Miteinander entstehen zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern und dem Personal individuelle Beziehungen. Nicht zuletzt für die diagnostische und therapeutische Arbeit ist dies von großer Bedeutung. Ein wechselseitiger Informationsaustausch, begleitende Reflexion im Team und Fortbildungen sind feste Bestandteile der Arbeit.

Architektur

Eingeschossiges, barrierefreies Gebäude

Das vierflüglige Gebäude ist eingeschossig und barrierefrei gestaltet. Alle Räume und Zugänge sind rollstuhlgerecht, damit sich die Bewohnerinnen und Bewohner — so weit sie es selbst können — überall frei bewegen können. Das Raumangebot für Begegnung und Kommunikation wie für Privatheit und Rückzug ist vielfältig. Das großzügig gestaltete Foyer ist das öffentliche Zentrum des überschaubar gegliederten Gebäudes. Es wird als Mehrzweckraum genutzt. Im Haus gibt es zwei Wohngruppen mit je zwölf Bewohnerinnen und Bewohnern. Jede Wohngruppe nutzt einen Gebäudeflügel. Die Gemeinschaftsräume der Wohngruppen haben halböffentlichen Charakter, die einzelnen Zimmer sind privat und individuell gestaltet.

Eine Wohngruppe für Kinder und Jugendliche

Zur Wohngruppe gehören acht Einzelzimmer (17 bis 19 Quadratmeter groß) und zwei Doppelzimmer (24 und 29 Quadratmeter groß). Die Zimmer können individuell möbliert werden, sie sind mit Rundfunk, Fernseh– und Telefonanschluss ausgestattet. Die sechs dazugehörenden Sanitärräume mit behindertengerechter Ausstattung sind vom Flurbereich aus zugänglich. Die beiden gemeinschaftlichen Bereiche bieten für jeweils sechs Kinder und Jugendlichen viel Platz für Aktivitäten und zum Entspannen: Esstisch, Küche mit rollstuhlgerechter Ausstattung, Sitzgruppe und Liegelandschaft mit Podesten, Terrassen.

Eine Wohngruppe für Seniorinnen und Senioren

Auch hier gehören zur Wohngruppe acht Einzelzimmer (14 bis 16 Quadratmeter groß), von denen jeweils zwei gemeinsam ein vom Zimmer zugängliches Bad nutzen, und zwei Doppelzimmer (23 und 24 Quadratmeter groß) mit Bad. Außerdem gibt es ein separates, großes Therapiebad. Gemeinschaftlicher und räumlicher Mittelpunkt sind die Wohnküchen.

Trennung und Durchlässigkeit zwischen den Wohngruppen

Damit zielgruppenspezifische Bedürfnisse wie zum Beispiel unterschiedliche Ruhe– und Aktivitätsphasen das Zusammenleben nicht stören, sind die einzelnen Wohngruppen räumlich klar voneinander getrennt. Die Durchlässigkeit zwischen ihnen ist dennoch groß: Räume für Begegnung, Kommunikation und gemeinsame Aktivitäten der beiden Bewohnergruppen sind leicht zugänglich. Der zusätzliche Wohnraum, der Hobby– und Bastelraum und auch der Snoezel–Raum eignen sich gut für das Zusammensein in größeren und kleinen Gruppen.

Rollstuhlgerechte Gartenanlage

Zum Wohnen als Lern– und Erlebniswelt gehören auch die Freibereiche. Die Gartenanlage ist sowohl von den Gruppenräumen als auch von den Individualräumen direkt zugänglich. Wie im Haus können Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer sich auch im Garten frei bewegen, die natürliche Umgebung erleben und mitgestalten. Der Garten ist mit Fruchthecken, schattenspendenden Laubbäumen, Spiel– und Blumenwiesen gestaltet, es gibt verschiedene Spielgeräte. Zentraler Treffpunkt im Garten ist der Grillplatz.

Fazit

Die Modellwohnstätte mit generationenübergreifendem Ansatz ist bundesweit einmalig. Sowohl die inhaltliche Konzeption wie auch die architektonische Gestaltung berücksichtigen besonders die individuellen Bedürfnisse der jungen und älteren Menschen mit Behinderungen und tragen damit wesentlich zu einer höheren Wohn– und Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner bei.

Projektdetails

Träger

Evangelische Stiftung Christopherushof
Anna–Luisen–Stift
Königseer Straße 40–42
07422 Bad Blankenburg

Architekt

Willi Kirschner und Partner
Lutherstraße 21
36266 Heringen

Fertigstellung

2002

Gesamtkosten

1.839.000 Euro

Förderung BMFSFJ

613.000 Euro

Fläche

1.067 Quadratmeter Nettogrundfläche
44 Quadratmeter Nettogrundfläche pro Platz

Plätze

24 Plätze verteilt auf vier Wohngruppen

Zusätzliche Angebote

zahlreiche Freizeit– und Begegnungsangebote für Menschen mit und ohne Behinderungen
Vernetzung mit anderen Angeboten (Werkstatt, Schulen, Therapie)