Förderzeitraum beendet

Hausgemeinschaften für Demenzkranke im DRK Christianenheim, Erfurt

Zukunftsweisende Architektur und Betreuung für Demenzkranke

Das Projekt

  • Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes
  • ergänzender Neubau für die Erschließung
  • kleine Hausgemeinschaften für gerontopsychiatrisch Erkrankte
  • tagesstrukturierende Betreuung
  • aktivierende Pflege und Therapie

Der Standort

Arnstädter Straße 48
99096 Erfurt
Thüringen
www.lv-thueringen.drk.de/ueber-uns/einrichtungen/senioren-und-pflegeheime/christianenheim.html

Nutzungskonzept

Das DRK Christianenheim ist ein Alten– und Pflegeheim mit langer Tradition. Die große Einrichtung (insgesamt 168 Plätze) bietet ein differenziertes Versorgungs– und Dienstleistungsangebot. Mit den Hausgemeinschaften für gerontopsychiatrisch Erkrankte — nach französischem "Cantou"–Vorbild — erprobt sie ein neues pflegerisches Konzept unter den gegebenen Bedingungen.

Familiäre Hausgemeinschaften

Die demenziell erkrankten Menschen leben in kleinen Hausgemeinschaften. Mit jeweils acht Bewohnerinnen und Bewohnern bietet diese Form einen überschaubaren und sicheren Rahmen. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner können sich dort ohne Hilfe orientieren. Die Überschaubarkeit der Gemeinschaft und der Wohnumgebung vermittelt der Bewohnerschaft ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit.

Die Wohnform Hausgemeinschaft ermöglicht den Demenzkranken größtmögliche Selbstständigkeit und gewährt gleichzeitig Pflege in hoher Qualität.

Alltagsnormalität steht im Mittelpunkt

Das Leben in den Hausgemeinschaften orientiert sich am normalen Alltagsverlauf. "Im Vordergrund steht, gemeinsam den Tag zu gestalten und in der Gemeinschaft zu leben.", so eine Mitarbeiterin. Die Bewohnerinnen und Bewohner beteiligen sich nach ihren Fähigkeiten und Vorlieben im Haushalt. Sie decken den Tisch, spülen Geschirr oder backen gemeinsam Kuchen. Wer selbst nicht mitmachen kann, kann dennoch dabei sein und alles miterleben. Die Aktivitäten des täglichen Lebens haben den Charakter von aktivierender Pflege und Therapie. In die ganzheitliche, tagesstrukturierende Betreuung fließen unterschiedliche Konzepte mit ein: fördernde Prozesspflege, integrative Validation, Biografiearbeit, Milieutherapie.

Ansprechperson rund um die Uhr

In jeder Hausgemeinschaft ist mindestens eine Bezugsperson den ganzen Tag anwesend. Diese Präsenzkraft übernimmt neben den Betreuungsaufgaben so weit wie möglich auch hauswirtschaftliche Funktionen. Die Schnittstelle zwischen Pflege und Hauswirtschaft ist fließend. Zusätzlich ist eine Pflegefachkraft im Früh–, Spät– und Nachtdienst für alle drei Hausgemeinschaften zuständig. Die Fachkräfte haben eine gerontopsychiatrische Zusatzqualifikation. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden durch regelmäßige Supervision und Fortbildungen in ihrer Arbeit unterstützt.

Integration der Angehörigen

Schon vor der Eröffnung der Hausgemeinschaften wurden die Angehörigen ausführlichst über das Konzept und die Wohnform informiert. Die Angehörigen gehören mit zur "Großfamilie". Sie werden in die Gestaltung des Lebens der Hausgemeinschaft einbezogen und entlasten durch ihre Mitarbeit das Pflegepersonal. Die Heimleiterin: "Zum Spazieren gehen wird nicht nur die eigene Mutter, sondern auch schon mal ein anderer Bewohner mitgenommen. Und wenn ein Angehöriger die Wohnküche betritt, freuen sich gleich mehrere über den Besuch."

Architektur

Ein imposanter Altbau mit Jugendstilfassade

Das Christianenheim besteht aus zwei denkmalgeschützten Gebäuden, die 1913/1914 und 1929 errichtet wurden. Im Rahmen der umfassenden Sanierung der gesamten Einrichtung wurde der sogenannte Mittelbau für die Hausgemeinschaften umgebaut. Zusätzlich wurde ein neuer Verbindungsbau mit separatem Eingang, Aufzug und Fluchttreppenhaus errichtet.

Die Hausgemeinschaften sind im Erdgeschoss, im ersten und zweiten Obergeschoss des Mittelbaus untergebracht. Im Untergeschoss befinden sich Technik– und Lagerräume.

Ein Geschoss für jede Hausgemeinschaft

Jede der drei Hausgemeinschaften mit sieben bis acht Bewohnerinnen und Bewohnern nutzt eine eigene Wohnung, die ein gesamtes Geschoss ausfüllt. Die Wohnungen sind — wie ganz normale Wohnungen — zum Treppenhaus "abgeschlossen", jedoch nicht "verschlossen". Zu jeder Wohnung gehören:

  • vier Einzelzimmer mit jeweils eigenem Duschbad,
  • ein Doppelzimmer mit Duschbad,
  • ein Appartement mit zwei Zimmern und
  • gemeinsamem Duschbad.

Im ersten Obergeschoss wurde zusätzlich ein Stationsbad eingerichtet.

Zentrum jeder Hausgemeinschaft ist die Wohnküche als gemeinsamer Lebens– und Aufenthaltsort. Dort wird nicht nur gekocht und gegessen, sondern sie ist — wie in vielen Familien — Mittelpunkt des Zusammenlebens. In der Hausgemeinschaft ist jederzeit "Familienanschluss" in der Wohnküche oder der Rückzug ins private Zimmer möglich. Für den Aufenthalt im Freien stehen allen Bewohnerinnen und Bewohnern ein geschützter Garten und eine Dachterrasse zur Verfügung.

Sorgfältige Gestaltung

Die innenarchitektonische Gestaltung berücksichtigt die speziellen Bedürfnisse der Demenzkranken, sie soll anregen aber nicht aufregen. Die eingesetzten warmen Farben vermitteln Ruhe und Geborgenheit. Die Gemeinschafts– und Erschließungsbereiche sind mit unterschiedlichen Farben, Lichteffekten und Materialien so gestaltet, dass für die verwirrten Bewohnerinnen und Bewohner die Orientierung im Gebäude erleichtert wird. Angestrebt ist, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Zimmer mit eigenen Möbeln und vertrauten Gegenständen einrichten.

Fazit

Die Hausgemeinschaften mit familienähnlichen Wohn– und Betreuungsformen führen die Tradition des Christianenheims zukunftsweisend fort. Die Integration der neuen Wohnform in die Altbausubstanz ist beispielhaft.

Projektdetails

Träger

DRK gemeinnützige Pflegegesellschaft Thüringen mbH
Heinrich–Heine–Straße 3
99096 Erfurt

Architekt

TMK Architekten BDA Thiede . Meßthaler . Klösges . Kasper
Regierungsstraße 39
99084 Erfurt

Fertigstellung

2002

Gesamtkosten

1.848.000 Euro

Förderung BMFSFJ

1.023.000 Euro

Fläche

976 Quadratmeter Nettogrundfläche (Erdgeschoss, erstes Obergeschoss, zweites Obergeschoss)
41 Quadratmeter Nettogrundfläche pro Platz

Plätze

24 Plätze verteilt auf drei Hausgemeinschaften

Zusätzliche Angebote

Unterstützung von Selbsthilfegruppen von Angehörigen Demenzkranker
Mitorganisation von Angehörigenschulungen
Altenpflegeschule
Nutzung der zahlreichen weiteren Angebote vor Ort