Im Modellprojekt des Landkreises Germersheim ging es um die Schaffung nachhaltiger, selbst organisierter Strukturen auf Ortsgemeinde-Ebene, um im Alter im gewohnten Wohnumfeld leben zu können.
Eine zentrale Rolle nehmen dabei die ehrenamtlich aktiven Seniorenbeauftragten ein. Ihre Aufgabe besteht darin, als Mittler zwischen den Bürgerinnen und Bürgern einer Gemeinde und der Verwaltung sowie der Politik zu fungieren. Sie sollen die örtlichen Bedarfe identifizieren, die Anliegen der älteren Bevölkerung weitertragen und umgekehrt Knotenpunkt sein, um bei Hilfebedarf an Fachberatungen weiterzuvermitteln. Gemeinsam mit weiteren lokalen Akteuren sollen sie nach Möglichkeit auch Strukturen der Selbstorganisation und Selbsthilfe aufbauen.
An 18 Standorten im Landkreis Germersheim haben Gemeinden im Projektzeitraum eine Seniorenbeauftragte beziehungsweise einen Seniorenbeauftragten oder ein Team berufen. Diese Seniorenbeauftragten wurden in ihrer Arbeit fachlich begleitet, beraten und miteinander vernetzt.
Aus der Arbeit der Ehrenamtlichen vor Ort in den Gemeinden und im gemeinsamen Netzwerk der Seniorenbeauftragten sind zahlreiche Angebote, Initiativen und konkrete Projekte für das „gemeinsame Älterwerden Zuhause“ entstanden.
Das Modellprojekt setzte auf zwei Handlungsebenen an: Auf der Ebene der Modell-Verbandsgemeinde Hagenbach wurde intensive Vorarbeit geleistet. Der Handlungsrahmen der Seniorenbeauftragten wurde hier prototypisch entwickelt und begleitet. Auf Kreisebene wurden alle Seniorenbeauftragten – aus der Modellgemeinde und aus weiteren mitwirkenden Gemeinden - zum Erfahrungsaustausch miteinander vernetzt und das Kreisnetzwerk erhielt fachliche Impulse.
Die vier Projektziele lauteten:
- Bestandsaufnahme in der Modell-Verbandsgemeinde Hagenbach
- Suche und Berufung ehrenamtlicher Seniorenbeauftragter
- Installation eines Netzwerks der Seniorenbeauftragten mit entsprechendem Berichtswesen
- "Alle gewinnen!"
In der Startphase bis Ende 2012 konzentrierte sich das Projekt auf die Modell-Verbandsgemeinde Hagenbach. In den vier Ortsgemeinden der Modell-Verbandsgemeinde wurde mittels Leitfadengesprächen und Bürgerforen eine Bestandsaufnahme durchgeführt.
Ziel war es, zu erarbeiten, was die Bürgerinnen und Bürger brauchen, um in ihren Gemeinden gemeinsam und zu Hause alt werden zu können und die notwendigen Handlungsfelder zu identifizieren.
Die Berufung von ehrenamtlichen Seniorenbeauftragten durch die jeweiligen Gemeinderäte wurde bis Anfang 2013 umgesetzt. Damit konnte das Netzwerk auf der Ebene der Modell-Verbandsgemeinde und auf Kreisebene aufgebaut werden. Dabei wurde der Austausch der Ehrenamtlichen organisiert und moderiert. In der gemeinsamen Arbeit wurden Rahmenbedingungen und Qualitätsstandards dieser Tätigkeit erörtert, beispielsweise das Aufgabenprofil eines/einer Seniorenbeauftragten, die Erreichbarkeit und das Vorgehen im Ort, die Öffentlichkeitsarbeit, die notwendige Ausstattung und Einbindung in der Kommune. Zum Berichtswesen wurden Empfehlungen erarbeitet.
Sehr rege war der Erfahrungs- und Ideenaustausch im Netzwerk. Die Seniorenbeauftragten haben ihre Aufgabe durchweg sehr engagiert ausgefüllt und in kurzer Zeit eine Vielzahl von Angeboten und gemeinschaftlichen Aktivitäten in ihren jeweiligen Kommunen ins Leben gerufen. Zusätzliche inhaltliche Impulse setzte die Projektleitung mit Fachtagungen und Exkursionen.
Zahlreiche beispielhafte Initiativen und Folgeprojekte wurden im Landkreis Germersheim aus dem Modellprojekt heraus oder im Zusammenhang mit diesem angestoßen und umgesetzt: die Gründung von Bürgervereinen, Nachbarschaftshilfe in unterschiedlichen Ausprägungen, Bürgerfahrdienste oder Bürgerbus, Hilfsmittelbörse, Telefonring, regelmäßige offene Treffs für verschiedene Generationen, innovative Wohnprojekte.
Schon geraume Zeit vor dem Ende des Modellprojekts wurde somit deutlich, dass das Ziel "Alle gewinnen!" in seiner doppelten Bedeutung erreicht worden ist.
Vertiefende Informationen finden Sie im Abschlussbericht und Praxishandbuch zum Modellprojekt.