Förderzeitraum abgelaufen

Engagiert und qualifiziert - Mobile sozialraumorientierte Wohnberatung in Südniedersachsen

Ein erweitertes Qualifizierungskonzept befähigt freiwillige mobile Wohnberaterinnen und Wohnberater, neben der Beratung zur Wohnungsanpassung auch nachbarschaftliche Unterstützungsnetzwerke anzuregen.

Förderzeitraum

Februar 2012 bis Dezember 2014

Programm

Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen

Arbeitsfeld

Verbesserung der Versorgung im ländlichen Raum

Schwerpunkt

Das Projekt ist auf die speziellen Aufgaben gerichtet, die der demografische Wandel in ländlichen Regionen mit sich bringt.

Projektträger

Freie Altenarbeit Göttingen e. V.
Am Goldgraben 14
37073 Göttingen
Niedersachsen
www.freiealtenarbeitgoettingen.de

Kurzbeschreibung

Es wurde ein Qualifizierungskonzept für mobile soziale Wohnberaterinnen und Wohnberater entwickelt, das neben der Beratung zur Wohnungsanpassung auch auf das soziale Miteinander im Wohnumfeld (caring communities) gerichtet ist.

Das Projekt hat das Ausbildungskonzept für die Mobile Wohnberatung Südniedersachsen um Module ergänzt, die Beraterinnen und Berater in die Lage versetzen, vor Ort Selbsthilfepotenziale und gegenseitige Unterstützung zu aktivieren.

Das in zwei Durchgängen erprobte Qualifizierungsprogramm verbindet ehrenamtliche Wohnberatung und hauptamtliche Begleitung und richtet sich an Engagierte jeden Alters. Ein etabliertes "Generationennetzwerk" bietet Anknüpfungsmöglichkeiten zu Pflegestützpunkten, Kranken- und Pflegekassen sowie zum örtlichen Handwerk.

Ziel ist die Vernetzung der vorhandenen ehren- und hauptamtlichen Kompetenzen sowie die Stabilisierung gewachsener Nachbarschaften durch intergenerationale Angebote wie die Schaffung von Begegnungsräumen mit Hilfe von Erzählcafés.

Maßnahmen im Projektverlauf

Im Februar und März 2012 haben wir mit den Maßnahmen zur Gewinnung Freiwilliger und mit den konzeptionellen, inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitungen begonnen. In Einzelgesprächen mit den Bewerberinnen und Bewerbern wurden von einem kleinen Team haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen 20 Freiwillige ausgewählt, die sich in der sozialen Wohnberatung, in Nachbarschaftshilfe- und Dorfprojekten engagieren wollen.

Um die Zusammenarbeit mit den Akteuren und Dienstleistern vor Ort zu intensivieren, wurde das Generationennetzwerk "Wohnen und Leben in Südniedersachsen", das von der Mobilen Wohnberatung koordiniert wird, gegründet. Kooperationspartner sind unter anderem diverse Anbieter mobiler Dienstleistungen, Nachbarschaftsvereine, Kommunen, Wohlfahrtsverbände, Seniorenbeiräte, Seniorenservicebüros, AOK-Regionaldirektion, Pflegedienste und die Handwerkskammer. Unter dem Titel "Gut versorgt zu Hause" wird ein Überblick über alle mobilen Serviceeinrichtungen, Nachbarschaftshilfen und die Versorgungsstruktur für Senioren in der Region erstellt, der allen Haushalten zugänglich gemacht wird und den mobilen WohnberaterInnen als Wegweiser dienen soll, zum Beispiel auch als interaktive Karte im Internet.

Die Fortbildung wurde in zwei parallelen Gruppen durchgeführt: Soziale Wohnberatung (Quartiersansätze und Nachbarschaftshilfe) und Soziale Wohnberatung speziell in ländlichen Regionen (Dorfmoderation und Nachbarschaftshilfe).

  • Start war am 6./7. Juli 2012 mit Modul 1: Einführung und Grundlagen.
  • Am 7./8. September 2012 Modul 2: Praxiseinblicke und Projekte.
  • Am 19./20. Oktober 2012 Modul 3: Wohnraumanpassung und Dorfprojekte.
  • Am 23./24. November 2012 Modul 4: "Wohnbiografien in Stadt und Land - Geschichte und Psychologie des Wohnens."
  • Am 7./8. Dezember 2012 Modul 5: "Wege zum gemeinsamen Handeln", "Wie bringe ich Menschen miteinander ins Gespräch", Gesprächsführung und Beratung in verschiedenen Lebenslagen.

Am 15. September 2012 haben wir unter dem Titel "Morgen leben und wohnen – Altersgerecht, barrierefrei, gemeinschaftlich, nachbarschaftlich" eine Fachtagung zum Wohnen im Alter organisiert, unter anderem mit den Themen "Wohnquartiere generationengerecht gestalten", "neue Wohnkonzepte" und "alternsgerechtes Bauen und Umbauen".

Der erste Qualifizierungsdurchlauf zur Mobilen sozialen Wohnberatung und Dorfmoderation wurde in 2013 erfolgreich mit Praxisphase und 18 Absolventinnen und Absolventen abgeschlossen. Auf der Basis der Erfahrungen und der Auswertung einer eingehenden wissenschaftlich begleiteten Analyse und Evaluierung wurde ein zweiter Doppelkurs entwickelt, der im Juni 2014 startete.

Viele Absolventinnen und Absolventen der Kurse bringen inzwischen ihre Kompetenzen in Nachbarschaftsinitiativen ein, sind in der mobilen sozialen Wohnberatung aktiv, veranstalten Nachbarschaftstreffs und Erzählcafés. Aus der Fortbildung sind drei neue Dorfprojekte im Landkreis Göttingen hervorgegangen, die von im Projekt qualifizierten Frauen initiiert und moderiert sowie von der Mobilen sozialen Wohnberatung Südniedersachsen begleitet werden (Erbsen, Hemeln und Wibbecke).

Ein dörferübergreifendes Nachbarschaftsprojekt, in dem eine barrierefreie Musterwohnung als Ort der Begegnung und Vernetzung verschiedener Initiativen und Anbieter von Dienstleistungen eingerichtet werden soll, ist in Vorbereitung.

Werkzeuge aus dem Projekt

Barrimess

Wenn die mobilen sozialen Wohnberaterinnen und Wohnberater der "Freien Altenarbeit Göttingen" im Landkreis unterwegs sind, haben sie meistens ihr "Barrimess" dabei. Mit Hilfe dieses Gerätes können sie direkt beurteilen, wie es um die Barrierefreiheit in den Wohnungen bestellt ist. Der ein Meter lange Zollstock, an dem ein Rundstab befestigt ist, misst zum Beispiel, ob ein Rollstuhl unter dem Waschbecken Platz hat oder ob eine Rampe im richtigen Steigungswinkel gebaut werden kann. Erfunden hat es Dipl. Holzwirt und Technikpädagoge Wolfgang Peter, der als Behindertenbeauftragter im Landkreis tätig ist.

Curriculum für mobile soziale Wohnberaterinnen und Wohnberater

Die "Freie Altenarbeit Göttingen" befähigt Interessierte aus sozialen, pflegerischen oder anderen Berufen mit einer Fortbildung dazu, Ältere bei Entscheidungen rund ums Wohnen zu unterstützen. Über ein halbes Jahr eignen sich die Ehrenamtlichen mit professioneller Anleitung in aufeinander aufbauenden zweitägigen Modulen Wissen über barrierearmes, technikunterstütztes, soziales Wohnen, Methoden der Gesprächsführung und erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit an. Die Ausbildung ist mit einem Lehrgang zur Dorfmoderation gekoppelt, der auf die Aktivierung und Begleitung solidarischer Netzwerkstrukturen im Dorf gerichtet ist. In einem anschließenden Praxisjahr helfen die mobilen sozialen Wohnberaterinnen und Wohnberater bei der Öffentlichkeitsarbeit, hospitieren bei Wohnberatungen und üben sich in kollegialer Beratung wie im Anschieben von ersten Dorfprojekten. Nach Abschluss der Fortbildung und Mitarbeit während des Praxisjahres erhalten die Teilnehmenden ein qualifiziertes Zertifikat.

Ehrenamtliche Kümmerinnen und Kümmerer

Ehrenamtliche Ansprechpersonen für die Nachbarschaftsarbeit in Gemeinden oder Stadtteilen zu benennen, ist in mehreren Projekten erfolgreich praktiziert worden. In Spangenberg heißen sie Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer.
Sie wissen über die Angebote für Ältere in der Region Bescheid, haben ein offenes Ohr für die Wünsche und Probleme der älteren Bürgerinnen und Bürger und regen selbst gemeinschaftliche Aktivitäten an. Besonders gut funktioniert dieser Ansatz dort, wo die ehrenamtlichen Kümmerinnen und Kümmerer durch direkten Zugang zur Stadtverwaltung konkrete Veränderungen für die Belange der Älteren bewirken können oder wo sie durch die kommunalen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger unterstützt werden.

Erzählcafé

Erzählcafés, wie sie von der „Freien Altenarbeit Göttingen“ in ihrem Zeitzeugenprojekt entwickelt und auch in ihrer Arbeit der Mobilen sozialen Wohnberatung und Dorfmoderation durchgeführt werden, schaffen Räume für Begegnungen auch zwischen Alt und Jung. An wechselnden öffentlichen Orten werden in einem Rundgespräch, das professionell moderiert wird, biografische Geschichten und Erinnerungen lebendig. Gerade in ländlichen Regionen bieten Erzählcafés älteren Menschen Gelegenheit, andere an ihren Lebensschätzen teilhaben zu lassen und sich selbst als bereichernder Teil einer Gemeinschaft mit ähnlichen oder ganz anderen Erfahrungen zu erleben.

Zusatzinformationen

Für die Fortbildung der mobilen sozialen Wohnberaterinnen und Wohnberater hat die Freie Altenarbeit Göttingen e. V. für den ersten Durchgang 2012/13 ein Curriculum mit neun Modulen entwickelt, die eng mit der Qualifizierung für die Dorfmoderation verbunden waren (Grafik). Der neue Durchlauf ab Juni 2014 erfolgt in getrennten Strängen und in kompakterer Form (Reduzierung auf sechs Module plus 1 Jahr Praxisphase).

Die aus dem Projekt hervorgegangene Initiative "Wir in der Region - Generationen gestalten Zukunft" hat den 1. Preis im bundesweiten Wettbewerb zum Generationendialog erhalten. In dieser Initiative engagieren sich die im Projekt qualifizierten Wohnberaterinnen und Wohnberater sowie Dorfmoderatorinnen und Dorfmoderatorern, indem sie generationenübergreifgende Nachbarschaftsprojekte, Erzählcafés und Netzwerke organisieren.

Das Projekt wurde zusätzlich von der IKEA-Stiftung gefördert.