Förderzeitraum beendet

Altenpflegeheim Heiterblick, Leipzig

Kostensparendes Bauen qualitätsvoller Altenhilfeeinrichtungen

Das Projekt

Hinteransicht des Altenpflegeheims Heiterblick in Leipzig mit großem Baum Link öffnet das Bild vergrößert in einer Lightbox mit Bildergalerie.
Foto: Städtische Altenpflegeheime/Eigenbetrieb der Stadt Leipzig
  • Umbau und Sanierung eines Plattenbauheims
  • Reduzierung von 213 auf 120 qualitätsvolle stationäre Pflegeplätze
  • 14 Tagespflegeplätze
  • stadtteilbezogenes Dienstleistungsangebot
  • Begegnung
  • Träger des Deutschen Bauherrenpreises "Modernisierung" 2005 im Rahmen der Initiative "Hohe Qualität - Tragbare Kosten"

Der Standort

Am Vorwerk 15
04329 Leipzig
Sachsen
www.sah-leipzig.de/pflege/pflegeeinrichtungen/pflegeeinrichtung/sah-heiterblick/

Nutzungskonzept

Umbau eines Plattenbaus

Zusätzlich zu den allgemeinen konzeptionellen Anforderungen für alle vier Wettbewerbsstandorte ist beim Altenpflegeheim "Heiterblick" ein besonderer Außenbezug zu beachten: Das Gebäude liegt inmitten einer Plattenbausiedlung und wurde 1989/90 noch nach alten Standards als Feierabendheim gebaut. In dieser Lage in Paunsdorf, im Nordosten Leipzigs, soll es für die älter werdende Nachbarschaft zu einem sozialen Bezugspunkt werden. Auch aus diesem Grund hat man sich nicht für einen Neubau, sondern für einen Umbau entschieden: Das Bestehende und Gewohnte wird nicht verworfen, sondern in seiner Qualität verbessert, um neue Anforderungen zu erfüllen.

Angebote für den Stadtteil

Das Gebäude bietet nach der Modernisierung neben 120 stationären Pflegeplätzen in den fünf Obergeschossen eine stadtteilbezogene Tagespflege mit 14 Plätzen und verschiedene Einrichtungen, die nach innen und nach außen geöffnet sind: Physiotherapiepraxis, Frisiersalon, Fußpflege, einen ambulanten Pflegedienst, ein Dienstleistungs- und Begegnungszentrum für ältere Menschen und ein psychosoziales Zentrum sowie eine Cafeteria mit Kiosk und einen offenen Mittagstisch. Auch der Garten steht der Umgebung zur Verfügung.

Für die Architektur ist daraus die besondere Anforderung entstanden, die Offenheit des Hauses in die Siedlung hinein auszustrahlen und zu vermitteln und durch die Erneuerung des Bestandes am gewohnten Ort neue Qualitäten zu schaffen.

Die Pflegebereiche

Die Platzzahl in den Pflegegeschossen wurde von 40 auf 24 reduziert. Im Sinne der Lebensraumqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner, gerade auch für die Verwirrten, kam es darauf an, die labyrinthischen Gangstrukturen im Inneren des Gebäudes aufzulösen und auch in den Gemeinschaftsbereichen einen Außenbezug herzustellen. Die Pflegebereiche wurden — wie im gesamten Wettbewerb — in Nachbarschaften und Gemeinschaften differenziert: In jedem der fünf Obergeschosse sind eine Nachbarschaft mit 16 Plätzen, Dienstzimmer und Pflegebad, sowie eine Gemeinschaft mit acht Plätzen organisiert. Nachbarschaft und Gemeinschaft haben jeweils eigene Wohn- und Essbereiche mit Teeküchen.

Architektur

Der Außenbezug des Hauses

Die entscheidende Qualität des erstplazierten und realisierten Entwurfs liegt in der Herstellung eines gelungenen Außenbezugs: Durch das Einschneiden von mehrgeschossigen Wintergärten (Kaltgärten) in den Baukörper wird die Struktur aufgelockert, der mittlere Bund des Dreibünders weitgehend aufgelöst und die Gänge natürlich belichtet. Nach außen entsteht durch die großmaßstäblichen Wintergärten eine abwechslungsreiche und offene Gebäudegestalt, die den Anforderungen des Hauses als sozialem Bezugspunkt der Siedlung entspricht.

Weiterer wesentlicher Bestandteil der Modellkonzeption ist die beispielgebende Realisierung des Dienstleistungs- und Begegnungszentrums für ältere Menschen, das eine Scharnierfunktion sowohl in den Stadtteil als auch zu den anderen Bereichen des Heims ausübt.

Die Verteilung der Nutzungen richtet sich nach den baulichen Vorgaben und der Zugänglichkeit und Belichtung von außen; unter dem Eingangsgeschoss befindet sich ein Sockelgeschoss, das weitgehend natürlich belichtet ist:

Sockelgeschoss: Dienstleistungs- und Begegnungszentrum, Physiotherapie, Wäscherei, Umkleiden, ambulanter Pflegedienst, Lagerräume

Erdgeschoss: Eingangsbereich, Foyer, Tagespflege, Verwaltung, Friseur, Physiotherapie, Kiosk, Cafeteria, Speisesaal, Küche

5 Obergeschosse: je ein Nachbarschafts- und ein Gemeinschaft-Pflegebereich

Die Struktur des Plattenbaus

Der Umbau und vor allem die Auflockerung eines Plattenbaus stellen eine spezielle Herausforderung dar: Weil alle Wandscheiben und Deckenplatten tragend miteinander verbunden sind, ist vor jedem "Herausnehmen" einer Raumbegrenzung ein Auswechseln der Struktur nötig, das heißt die darüberliegenden Lasten müssen gesondert abgetragen werden. Das geschieht hier durch Stahlbetonträger und -wände und durch Stahlträger und -stützen. Trotz des erforderlichen sensiblen und schrittweisen Vorgehens und der bedeutenden Eingriffe in die Substanz ist der Umbau um rund 20 % günstiger als ein vergleichbarer Neubau.

Kostensparendes und qualitätsvolles Bauen

Der Anteil der Pflegeplätze in Einzelzimmern von 78 % und die Nettogrundfläche von mehr als 54 Quadratmetern pro Platz liegen zum Teil erheblich über den Werten vergleichbarer Sanierungsprojekte und tragen zu der außergewöhnlich guten und individuellen Wohnqualität des "Heiterblick" bei. Im Verhältnis dazu sind die erzielten Baukosten von rund 67.000 Euro pro Pflegeplatz notwendig, wirtschaftlich und angemessen.

Ein Beispiel für die nachdrücklichen Bemühungen kostenschonenden Bauens war das Wegnehmen des Drempels vom Dach und damit eine Reduzierung der Gebäudehöhe: Das hat zusammen mit dem Abbruch von Außenwänden für die Wintergärten dazu geführt, dass das Gebäude insgesamt leichter geworden ist und die Fundamente nicht aufwändig unterfangen werden mussten, um die heutigen statischen Anforderungen zu erfüllen. Im Bewusstsein der gestalterischen Konsequenzen konnten somit hohe Kosten vermieden werden.

Die Zimmer

Ein weiteres Beispiel für eine kostensparende Realisierung ist die Gestaltung der Einzelbäder: Obwohl die vorhandene Bausubstanz eine vollständige Umsetzung der entsprechenden DIN-Vorschrift für barrierefreie Wohnungen (DIN 18025 Teil 2) nicht zuließ, ist es durch individuelle Lösungen gelungen, rollstuhlgerechte Bäder zu schaffen. Die Nutzbarkeit dieser Anordnung für Rollstuhlfahrer wurde in einer Muster-Nasszelle detailliert überprüft. Dadurch konnte ein kostspieliges Ausbrechen aus den Vorgaben des vorhandenen konstruktiven Gefüges vermieden werden.

Kostenschonend hat sich ausgewirkt, dass mehrere Elemente behutsam vom Altbau übernommen wurden.

Dies gilt für

  • Treppen und Aufzüge; nur die Treppenbeläge wurden erneuert.
  • Fenster der Bewohnerzimmer; sie wurden weder kostspielig ersetzt noch in ihren Positionen verändert.
  • Ausstattung, etwa bei Pflegebetten. Sessel wurden lediglich neu bezogen.
  • Die Plattenfassade des Hauses wurde mit einem Wärmedämmputz überzogen, um auch bei den Folgekosten (Energie) günstige Werte zu erreichen.

Fazit

Die Stärke dieses Projekts liegt in der Öffnung des Hauses nach außen und in der neuen Qualität, die sich der Umgebung vermittelt. Dieses umgestaltende Vorgehen kann für Projekte in Plattenbausiedlungen als beispielhaft angesehen werden, gerade weil es nicht nur verschönert, sondern auch zu substanziellen Verbesserungen führt. Einer gänzlich idealen Umsetzung innenräumlicher, betrieblicher Ziele waren durch die Vorgaben der Plattenbaustruktur jedoch gewisse Grenzen gesetzt, die beispielsweise in der Breite und der Belichtung der Zimmer sichtbar bleiben.

Projektdetails

Träger

Städtische Altenpflegeheime Leipzig gGmbH
Am Elsterwehr 10
04109 Leipzig

Architekt (Wettbewerb, Entwurfsplanung, Leitdetails)

ARP Architekten Partnerschaft Stuttgart
Mörikestraße 22
70178 Stuttgart

Architekt (Ausführungs- planung, Bauleitung)

Dr.-Ing. Dietmar Fischer Architekt BDA
Marienplatz 1
04103 Leipzig

Projektbegleitung

Projektgemeinschaft Sozialplanung in Baden-Württemberg und GUS Architekten · Ingenieure
Johannesstraße 71
70176 Stuttgart

Fertigstellung

September 2003

Gesamtkosten

8.462.700 Euro
67.400 Euro (pro Platz)

Förderung BMFSFJ

281.995 Euro (Dienstleistungs- und Begegnungszentrum)

Förderung Pflegebereiche

Artikel 52 PflegeVG
eine detaillierte Kostenaufstellung steht in der rechten Spalte zum Herunterladen zur Verfügung

Fläche

6.831 Quadratmeter Nettogrundfläche
54,4 Quadratmeter Nettogrundfläche pro Platz (ohne externe Nutzung)

Plätze (nach Baumaßnahme)

120 stationäre Pflegeplätze
14 Tagespflegeplätze

Zusätzliche Angebote

Dienstleistungs- und Begegnungszentrum
Physiotherapie
Psychosoziales Zentrum
ambulanter Pflegedienst
Kiosk
offener Mittagstisch
Friseursalon
Fußpflege