Förderzeitraum beendet

PAUL - Persönlicher Assistent für unterstütztes Leben, Kaiserslautern

Technikunterstütztes Wohnen - Selbstbestimmt leben zuhause

Das Projekt

Ein schwarzes Touchpad steht auf einem Wohnzimmertisch. Im Hintergrund steht der Fernseher und die offene Küche ist zu sehen. Link öffnet das Bild vergrößert in einer Lightbox mit Bildergalerie.
Foto: Gemeinnützige Baugesellschaft Kaiserslautern AG
  • Lobende Anerkennung "Nachhaltiger und innovativer Technikeinsatz" im Wettbewerb "Technikunterstütztes Wohnen - Selbstbestimmt leben zuhause"
  • Großflächig gestalteter, selbst erklärender Tablet-PC.
  • Implementierung und Erprobung auch in Bestandswohnungen.
  • Elektronische Steuerung und Kontrolle (zum Beispiel Abschaltung Herd und Bügeleisen, Anzeigen von offenen Fenstern bei Verlassen der Wohnung).
  • Entwicklung gemeinsam mit TU Kaiserslautern und Unternehmen Cibek.

Der Standort

Albert-Schweitzer-Straße 41/41a
67655 Kaiserslautern
Rheinland-Pfalz
www.bau-ag-kl.de

Ambient Assisted Living – Wohnen mit Zukunft

Die meisten Menschen möchten möglichst lange selbstständig und selbstbestimmt in ihrer vertrauten Wohnumgebung leben. Hierfür werden komfortable und intelligente Lösungen benötigt, die das Wohnen erleichtern. Denn auch wenn sich gesundheitliche Beeinträchtigungen bemerkbar machen und Pflege notwendig wird, bevorzugt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung eine Betreuung in den eigenen vier Wänden. Dies sind die Erfahrungen aus einem seit 2007 durchgeführten AAL-Projekt.

"Intelligentes Haus" mit Denkmalschutzauflagen

Die Ende 2007 fertig gestellte, grundlegend modernisierte Wohnanlage in der Albert-Schweitzer-Straße - erbaut im Jahr 1921 - bietet 20 barrierefreie Wohneinheiten, darunter 2- und 3-Zimmer-Wohnungen, ein integriertes "Einfamilienhaus" über zwei Geschosse sowie einen Gemeinschaftstreff. Die Anlage bietet vor dem Hintergrund einer zunehmend alternden Gesellschaft einen vielversprechenden Ansatz: ein technisches Unterstützungssystem, welches je nach Bedarf bei alltäglichen Verrichtungen assistieren kann. Das Wort "Ambient" beschreibt in diesem Zusammenhang eine Umgebungstechnik, die intelligent eingreifen und assistieren kann, die jedoch nicht unbedingt zu spüren ist und sich dem Alltag der Bewohner anpasst.

Ein persönlicher Assistent pro Wohnung

Den Kern des Technikkonzeptes bildet die entwickelte Software PAUL, die über ein nutzerfreundliches Touchscreen-Display bedient wird. PAUL, der persönliche Assistent für unterstütztes Leben, dient der Steuerung der Wohnungstechnik und bietet verschiedene Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeiten. Komfort, Sicherheit und Gesundheit sind die Kernfelder. Hierzu wurden die Wohnungen mit verschiedenen technischen Komponenten der Hausautomatisierung ausgestattet. So kann man zum Beispiel durch die Betätigung eines zentralen Schalters beim Verlassen der Wohnung potenzielle Gefahrenquellen wie Herd oder Bügeleisen gleichzeitig ausschalten. Neben der Wohnungseingangstür zeigt außerdem ein rotes Lämpchen an, ob ein Fenster offen steht. Die Kamera an der Wohnungs- beziehungsweise Hauseingangstür zeigt auf PAULs Bildschirm an, wer an der Tür klingelt und registriert bei Abwesenheit die Besucher mit Bild und Uhrzeit.

Erforschung der Akzeptanz

Das AAL-Projekt der Bau AG besteht nicht nur aus einer kurzfristig bewohnten einzelnen Musterwohnung, sondern aus 20 mit der Assisted-Living-Technik ausgestatteten Mietwohnungen des Mehrfamilienhauses in der Albert-Schweitzer-Straße. Die Technik wird zudem dauerhaft im Alltag von den Bewohnerinnen und Bewohnern auf ihre Alltagstauglichkeit getestet. Akzeptanz und Funktionalität wurden im Projektzeitraum vom Projektpartner TU Kaiserslautern unter anderem mittels regelmäßiger Befragungen erhoben und evaluiert. Die daraus gewonnenen Ergebnisse spiegeln somit die tatsächlichen Erfahrungen der Bewohner wider, die in das Projekt "zurückfließen".
Das Bedienen der PAUL-Oberfläche ist aus Sicht der Bewohner selbsterklärend. Mit zunehmender Wohndauer ist die Nutzung von PAUL vielseitiger geworden, da die Bewohner an die Funktionen gewöhnt sind und diese zu schätzen gelernt haben.
Einen Beitrag für die hohe Akzeptanz leistet auch die aktive Hausgemeinschaft in der Wohnanlage. Im Gemeinschaftstreff kommen die Mieter regelmäßig zum Kaffeetrinken und zu Fußballabenden zusammen oder organisieren Aktivitäten wie Ausflüge. Während der Projektzeit fanden spezielle Mietertreffen statt, die vom Lehrgebiet Stadtsoziologie der TU Kaiserslautern betreut und vom Lehrgebiet Automatisierungstechnik sowie Vertretern der Bau AG begleitet wurden. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass die realisierten technischen Lösungen nicht die sozialen Kontakte ersetzen, sondern dass ein technisches Gerät wie PAUL auch die Gemeinschaftsbildung fördern kann. PAUL stellt – so die Erfahrung aus dem Projekt – ein verbindendes, neutrales Gesprächsthema dar. Die Mieter tauschen sich über ihre Erfahrungen mit PAUL aus.

Technik angepasst -Themenfelder ausgeweitet

PAUL wurde seit 2007 mehrfach überarbeitet, unter anderem erhielt er ein "Facelifting". Anfang 2012 wurde der technische Systemaufbau geändert: Die Steuerung der Hausautomation erfolgt nunmehr über Miniserver, die in jeder Wohnung der Wohnanlage Albert-Schweitzer-Straße installiert wurden. Sie  ersetzen den bisher vorhandenen Homeserver, der die Steuerung für das gesamte Haus übernahm.
Im Rahmen der Implementierung einer neuen PAUL-Software wurden bestehende Funktionen weiterentwickelt, neue ergänzt und wenig genutzte entfernt. Hinzu kam zum Beispiel die Videotelefonie, eine Erinnerungs- und Kalenderfunktion und das Schwarze Brett, über das die Bewohnerinnen und Bewohner untereinander kommunizieren können, sowie Denksport- und Geschicklichkeitsspiele. Die Komfort- und Sicherheitsfunktionen integrieren die Bewohnerinnen und Bewohnern des Assisted-Living Projektes in ihrem Alltag.

Die Entwicklung des dritten Funktionsfelds Gesundheit mit der sogenannten Inaktivitätserkennung wurde abgeschlossen und befindet sich im Echteinsatz. Hierbei geht es insbesondere darum, den Gesundheitszustand einer Person über Sensortechnik zu überwachen und einen eventuellen Notfall so frühzeitig zu erkennen, dass der Betroffene selbst keinen Hilferuf absetzen muss. PAUL ist deshalb an Sensoren und Bewegungsmelder gekoppelt, die die Aktivitäten des Bewohners aufzeichnen. So ist unter anderem der Verbrauch von Wasser (Wasserflusssensor) ein Indikator für "Aktivität". Registriert PAUL über einen längeren Zeitraum keine Bewegung und auch keinen Durchfluss, meldet er sich zuerst mit einem Tonsignal und alarmiert danach einen Hilfsdienst wie das Rote Kreuz.

Die Zukunft mit PAUL auf Funkbasis

Da die wichtigsten Komponenten "Komfort, Sicherheit und Gesundheit" in der Albert-Schweitzer-Straße erfolgreich umgesetzt wurden, schloss die Bau AG das Pilotprojekt "Ambient Assisted Living – Wohnen mit Zukunft" im Juni 2013 offiziell ab.

Gemeinsam mit der Firma CIBEK knüpft die Bau AG an das Pilotprojekt an. Auf Basis der entwickelten Technologie wurde ein neues Projekt mit dem funkgesteuerten PAUL begonnen. Ein Ziel war, den serienreifen PAUL nun auf breiter Front im Wohnungsbestand der Bau AG zum Einsatz zu bringen. Dafür wurde der technische Systemaufbau geändert und PAUL "mobil" gemacht. PAUL steuert die entsprechenden Module seitdem per Funk. Wohnungen können daher mit sehr geringem Aufwand nachgerüstet werden. Das aufwändige (Unterputz)Legen von Leitungen wird vermieden und PAUL kann in jeder beliebigen Wohnung eingesetzt werden.Insgesamt wurden bei diesem projekt 20 Wohnungen im gesamten Bestand der Bau AG mit dem Funk-Paul ausgestattet.

Evaluiert wurde dieses Projekt von Prof. Dr. Annette Spellerberg, TU Kaiserslautern, Die daraus gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse fließen nun in die Weiterentwicklung ein.

Projektdetails

Träger

Gemeinnützige Baugesellschaft Kaiserslautern AG