Förderzeitraum beendet

Servicehaus Freiburg

Verbesserung der Wohn– und Lebensmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen

Das Projekt

Neubauzeichnung. Link öffnet das Bild vergrößert in einer Lightbox mit Bildergalerie.
  • Verschiedene Wohnformen unter einem Dach: Appartement–Service–Wohnen, Trainingswohnen für junge Erwachsene, Wohngruppen für Menschen mit schwerer körperlicher Behinderung
  • Nachbarschaft mit Nichtbehinderten
  • Synergien durch Projektpartnerschaft mit dem Siedlungswerk
  • Integration in das Gemeinwesen des Stadtteils

Der Standort

Jean–Monnet–Straße / Rieselfeldallee
79111 Freiburg
Baden-Württemberg
www.ring-freiburg.de

Was es bietet

Das Konzept: Vielfalt unter einem Dach

In dem Neubau wird ein umfassendes und zugleich durchlässiges Wohnangebot vom Trainingswohnen in einer Wohngruppe über das ambulante, eigenverantwortliche Service–Wohnen bis zur intensiveren Versorgung in einer stationären Einrichtung der Eingliederungshilfe geschaffen. Diese Kombination unterschiedlicher Hilfeangebote bietet Menschen mit Behinderungen größtmögliche Selbstständigkeit und Sicherheit.

Das Appartement–Service–Wohnen: Verbindung von Wohnen und Assistenz

Das Service–Wohnen richtet sich an Menschen mit Behinderung, die selbstständig leben wollen und dafür einen gewissen Assistenzbedarf haben. Zielgruppe sind Menschen mit mehrfachen Handicaps, auch für viele schwerer behinderte Menschen ist das Service–Wohnen eine Alternative zum Pflegeheim. Neben einer pflegerischen Assistenz und hauswirtschaftlichen Hilfen wird auch eine sozialpädagogische Begleitung angeboten.

Das Trainingswohnen: Wohngruppe für junge Erwachsene

Schwerpunktmäßig richtet sich das Trainingswohnen an junge Menschen mit Behinderung, um sie in ihren Autonomiebestrebungen zu unterstützen und zu begleiten. Aber es ist auch ein Unterstützungsangebot für Menschen, die sich zum Beispiel in Folge eines Unfalls unvermittelt mit der Situation einer Körperbehinderung auseinandersetzen müssen. Im Trainingswohnen soll eine eigenständige Alltagsbewältigung erlernt werden. Es werden kognitive, praktische und soziale Kompetenzen vermittelt.

Das Angebot für Menschen mit besonderem Assistenzbedarf: Wohngruppen mit interner Tagesstrukturierung

Dieses stationäre Angebot richtet sich an Erwachsene mit schweren Körperbehinderungen, die eine ständige bedarfsbezogene Unterstützung benötigen. Ziel ist, die Bewohnerinnen und Bewohner so zu fördern, dass sie entsprechend ihren Möglichkeiten Aufgaben im Wohnumfeld wahrnehmen und ihre Freizeit – auch außerhalb der Einrichtung – individuell gestalten können. Für eine interne Tagesstrukturierung gibt es in vom Wohnbereich getrennten Räumlichkeiten 12 Plätze, für therapeutische Maßnahmen steht ein eigener Therapieraum zur Verfügung.

Die Einbindung in das Quartier und den Stadtteil

Das Servicehaus für Menschen mit Körperbehinderung integriert sich auf vielfältige Weise in das Quartier und den Stadtteil Rieselfeld. Es öffnet sich für sein Umfeld: Außenanlagen und Veranstaltungsraum sind von allen nutzbar, im Stadtteil lebende Menschen mit Behinderung können das Service–Angebot des Vereins nutzen und es gibt eine Kooperation mit Dienstleistern im Stadtteil. Synergieeffekte entstehen insbesondere auch aus der Projektpartnerschaft mit dem Siedlungswerk, das auf dem Nachbargrundstück barrierefreie Eigentumswohnungen errichtet. Der gemeinsame Innenhof schafft Begegnungsmöglichkeiten, die Tiefgarage wird gemeinsam genutzt und die Menschen aus den Wohnungen können das Service–Angebot des Vereins mit in Anspruch nehmen.

Architektur

Ein rollstuhlgerechter Neubau

Das Servicehaus bildet gemeinsam mit dem angrenzenden Gebäude des Siedlungswerks einen spitzen Winkel. Die entstehende Freifläche wird als gemeinsamer, begrünter Gartenhof genutzt. Der fünfgeschossige Neubau des Servicehauses wird komplett barrierefrei nach DIN 18025 Teil 1 (Wohnungen für Rollstuhlbenutzer) gebaut. Im Erdgeschoss liegen neben verschiedenen Räumlichkeiten für die Tagesstruktur und den Förder– und Betreuungsbereich die Notrufzentrale, Verwaltungs– und Personalsräume und einige Wohnungen. Es gibt zwei Eingangs– und Erschließungsbereiche: auf der Ost–Seite für das Service–Wohnen und auf der Süd–Seite für die anderen Angebote.

Ein– und Zwei–Zimmer–Wohnungen für das Service–Wohnen

Die Wohnungen für das Service–Wohnen verteilen sich auf das Erdgeschoss (7 Wohnungen), erste Obergeschoss (12 Wohnungen), zweite Obergeschoss (12 Wohnungen) und dritte Obergeschoss (8 Wohnungen). Insgesamt sind es 12 Ein–Zimmer–Wohnungen mit 31 bis 49 Quadratmetern und 27 Zwei–Zimmer–Wohnungen mit 48 bis 78 Quadratmetern, jeweils mit eigenem Balkon oder eigener Terrasse. Direkt vor jeder Wohnung befindet sich im Flur ein Rollstuhlparkplatz mit Ladestation. Durch die Modulbauweise lassen sich bei Bedarfsänderungen Zwei–Zimmer–Wohnungen einfach in zwei stationäre Zimmer umwandeln und umgekehrt.

Wohngruppen mit Einzelzimmern

Die Wohngruppe für das Trainingswohnen liegt im dritten Obergeschoss und umfasst sechs Einzelzimmer mit jeweils circa 25 Quadratmetern, alle mit eigenem Bad und Balkon. Der dazugehörende Gemeinschaftsraum mit integrierter Küche ist 30 Quadratmeter groß und hat ebenfalls einen Balkon. Im vierten Obergeschoss befinden sich die beiden Wohngruppen für Schwerkörperbehinderte mit jeweils neun Zimmern (alle 18 als Einzelzimmer) und dazugehörenden Gemeinschafts– und Funktionsräumen. Zwölf Zimmer haben ein eigenes Bad, ihre Wohnfläche beträgt 22 bis 30 Quadratmeter. Außerdem sind sechs Zimmer für Paar–Wohnen (drei Paare) vorgesehen, von ihnen teilen sich jeweils zwei Zimmer ein Bad. Auch hier verfügen alle Zimmer über einen eigenen Rollstuhlabstellplatz mit Ladestation im Flurbereich.

Ökologie großgeschrieben

Um die Nachhaltigkeit des Gebäudes zu erhöhen und langfristig Kosten zu sparen, hat sich der Träger für eine besonders energieeffiziente Bauweise entschieden. Durch zusätzliche Wärmeschutzmaßnahmen erreicht das Projekt den Standard eines KfW–Effizienzhauses 70 (= besonders hohe Energieeffizienz) und kann damit zinsgünstige Darlehen der KfW aus dem Programm "Energieeffizient Bauen" in Anspruch nehmen. Die hierfür anfallenden Mehrkosten von rund 107.000 Euro werden hierdurch nicht nur wettgemacht, vielmehr wird das Projekt auch Vorreiter in Sachen Klimaschutz – und die Bewohnerinnen und Bewohner profitieren mit geringeren Heizkosten.

Fazit

Unter dem Motto "Vielfalt unter einem Dach – neues Haus mit neuen Perspektiven" schafft der Ring der Körperbehinderten e. V. ein in den Stadtteil integriertes differenziertes Wohnangebot für Menschen mit Behinderung. Dem auf Gemeinschaft und Gemeinwesenorientierung basierenden Wohnprojekt gelingt es, Individualität und Persönlichkeit der Bewohnerinnen und Bewohner mit einer auf Art und Schwere der Behinderung abgestimmten Betreuung zu verbinden. Kooperationen mit der Stadt Freiburg, die über Erbbaupacht das Grundstück zur Verfügung stellt und mit dem Siedlungswerk Stuttgart schaffen die Voraussetzungen für öffentliche Akzeptanz, ebenso die hohen Standards bei der Barrierefreiheit und der Energieeinsparung.

Projektdetails

Träger

Ring der Körperbehinderten e. V.
Meckelhof 1
79110 Freiburg

Partner

Siedlungswerk gemeinnützige Gesellschaft für Wohnungs– und Städtebau mbH
Heusteigstraße 27/29
70180 Stuttgart

Architekt

Architekten–Atelier Thoma
Mozartstraße 64
79104 Freiburg

Fertigstellung

Frühjahr 2012

Gesamtkosten

7.800.000 Euro

Förderung BMFSFJ

600.000 Euro

Fläche

insgesamt 2.990 Quadratmeter (Nettogrundfläche)
davon Service–Wohnen 1.889 Quadratmeter (Nettogrundfläche)
stationäre Wohngruppe Trainingswohnen 227 Quadratmeter (Nettogrundfläche)
stationäre Wohngruppen Eingliederungshilfe 654 Quadratmeter (Nettogrundfläche)
Gruppen und Veranstaltungsräume 221 Quadratmeter (Nettogrundfläche)

Plätze

insgesamt 63 Plätze

39 Wohnungen Service–Wohnen
6 in stationärer Wohngruppe Trainingswohnen
18 in stationären Wohngruppen Eingliederungshilfe

Zusätzliche Angebote

Gruppen und Veranstaltungsräume
barrierefreie Eigentumswohnungen des Siedlungswerks