Förderzeitraum beendet

Ambulant betreute Wohngemeinschaft mit ländlicher Orientierung für Menschen mit Demenz, Briesen

Mehr Gemeindeintegration - zukunftsweisendes Wohnen - bessere gesellschaftliche Teilhabe

Das Projekt

Bauernhof. Link öffnet das Bild vergrößert in einer Lightbox mit Bildergalerie.
  • Ein Bauernhof besonderer Art
  • Betreute gerontopsychiatrische Wohngruppe
  • Neubau angepasst an die dörfliche Struktur
  • Aktivierende Betreuung von Menschen mit Demenz
  • Orientiert an landwirtschaftlich geprägter Lebenswelt

Der Standort

Guhrower Straße 5a
03096 Briesen / Niederlausitz
Brandenburg
www.diakonie-niederlausitz.de

Nutzungskonzept

Immer mehr ältere Menschen erkranken an Demenz. Während es in den Städten bereits vielfältige Möglichkeiten der Betreuung gibt, fehlt es in ländlichen Gemeinden noch oft an geeigneten Wohn– und Betreuungsformen für die Betroffenen und die sie pflegenden Angehörigen. Mit dem Angebot in Briesen wird – beispielgebend für den ländlichen Raum – ein besonderer Akzent der Betreuung gesetzt.

Leben wie auf dem Bauernhof

Zwölf Menschen mit Demenz, insbesondere im Anfangsstadium, leben auf dem Bauernhof. Diese kleinteilige Wohnform bietet eine familiäre Atmosphäre, sichert die nötige Betreuung und erlaubt zudem Privatheit und Rückzug. Kern des Nutzungskonzeptes ist es, an Demenz erkrankten Menschen, in der ihnen vertrauten ländlichen Umgebung, ein neues Zuhause zu geben. Dabei soll die Alltagsgestaltung an die bisherigen, vom bäuerlichen Leben geprägten, Erfahrungen und Abläufe anknüpfen. Durch die Möglichkeit, gewohnte Tätigkeiten weiter ausüben zu können, sollen vorhandene Fähigkeiten erhalten und trainiert werden. Im Mittelpunkt steht dabei, dass die Bewohnerinnen und Bewohner in Würde alt werden können und, soweit es ihre Fähigkeiten erlauben, selbstständig ihren Alltag meistern.

Vielfältige und lebensweltbezogene Aktivitäten

Das alltägliche Leben auf dem Bauernhof wird durch Haustiere, Gartenarbeit und gemeinschaftliche Aktivitäten geprägt. Hühner zur Eierversorgung, Katzen zum Kuscheln und Mäuse fangen gehören ebenso dazu wie die Möglichkeiten, Obst und Gemüse zu pflanzen, zu ernten oder zu konservieren. Je nach Neigung und Fähigkeit können sich die Bewohnerinnen und Bewohner individuell einbringen. Das Projekt greift aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis – etwa des Kuratoriums Deutsche Altershilfe – auf, wonach die natürliche Lebensumgebung in vielseitiger Weise zur Zufriedenheit und Lebensqualität gerade älterer Menschen beitragen kann.

Enge Kontakte mit Angehörigen und ehrenamtliches Engagement

Für die Betreuung stehen eine Koordinatorin sowie eine Betreuungskraft zur Verfügung. Eine Sozialstation übernimmt die Hilfe und Anleitung bei der Körperpflege. Für den laufenden Betrieb ist ehrenamtliche Unterstützung durch Angehörige und Menschen aus der Nachbarschaft unverzichtbar. Diese Hilfe trägt zudem dazu bei, die Integration in die Gemeinde zu fördern.

Architektur

Briesen, ein Ort mit etwa 10.000 Einwohnern, liegt in der Niederlausitz, ganz in der Nähe des Spreewaldes. Prägend für die baulichen Strukturen dieser Region sind die Drei–Seiten–Höfe. Dort lebten Menschen und Tiere dicht beieinander, wobei eine "Seite" dem Wohnen diente und die übrigen als Stallungen, Speicher oder Lager genutzt wurden. Das neue Projekt greift diese traditionelle Bebauungsform wieder auf und so fügt sich der neue Drei–Seiten–Hof städtebaulich gut in die vorhandene Ortsbebauung ein. Gleichzeitig bietet diese Bauform den – gerade für Demenzkranke – erforderlichen geschützten Raum, in dem sie ihren Lebensalltag soweit möglich selbstständig gestalten können.

Das Grundstück stellte die Evangelische Kirchengemeinde Briesen in Erbbaupacht zur Verfügung. Die drei Gebäude sind eingeschossig, nicht unterkellert und haben 40° geneigte Satteldächer. Die Baukörper stehen rechtwinklig zueinander, wobei das mittlere – das Haupthaus – parallel zur Straße liegt. Die Seitenflügel erstrecken sich in die Grundstückstiefe und sind in massiver Bauweise aus Porenbeton und Kalksandsteinmauerwerk errichtet. Das Haupthaus ist in Holzständerbauweise erbaut und ist außen mit waagerechten Holzlamellen verkleidet. Die ergänzenden Nebengelasse (Remisen) sind aus Holz. Alle Gebäudeteile sind baulich miteinander verbunden und barrierefrei gestaltet.

Haupthaus mit der "Guten Stube"

Das Haupthaus dient neben dem zentralen „Empfang“ (21 Quadratmeter) vorrangig dem gemeinschaftlichen Leben. Den Mittelpunkt nicht nur dieses Gebäudes, sondern des gesamten Wohnprojektes, bildet die geräumige Wohnküche (38 Quadratmeter). Sie liegt im südlichen Bereich des Hauses und hat eine überdachte Terrasse zum Innenhof. Der Wohnküche unmittelbar angeschlossen ist eine Speisekammer, in der das selbst angebaute Obst und Gemüse verarbeitet und konserviert werden kann. Im Gebäude gibt es zudem einen Wäscheraum, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner Wäsche waschen und bügeln oder dabei behilflich sein können. In diesem Raum ist auch der Hausanschluss für die Gebäudetechnik untergebracht.

Darüber hinaus verfügt das Haupthaus über zwei Personalräume, ein Pflegebad und ein WC sowie zwei Abstellräume.

Geschützte, aber individuelle Wohnräume

In den beiden Seitenflügeln befinden sich die Wohnräume mit insgesamt 12 Ein–Zimmer–Appartements. Die Zimmer sind alle 16 Quadratmeter groß.

Sechs der Ein-Zimmer Appartements verfügen über einen kleinen Vorraum mit angrenzender  Dusche und WC. Bei den weiteren 6 Ein-Zimmer Appartements teilen sich zwei Bewohner die Nutzung des Flures sowie der Sanitäreinrichtung.

Die Sanitärräume haben Fenster. Sie sind also – im Gegensatz zu oft in Altenhilfeeinrichtungen anzutreffenden innenliegenden Bädern – gut belichtet und belüftet. Ein Vorzug, der sich letztlich auch auf die Dimension der Lüftungsanlage und deren Kosten positiv auswirkt.

Die Seitenflügel sind einhüftig, das heißt die Wohnräume befinden sich alle auf einer Flurseite. Große festverglaste Fensterfronten mit geringen Brüstungshöhen und mit zu öffnenden Oberlichtern sowie zwei Fenstertüren bieten auf der gegenüberliegenden Flurseite nicht nur Ausblicke und Austritte in den Garten, sondern sorgen gleichzeitig für viel Tageslicht.

Garten und Nebengelasse

Im Innenhof ist ein Garten angelegt, der sich in verschiedene Bereiche gliedert. Zwei Hochbeete zum Pflanzen und Ernten von Obst, Gemüse und Kräutern gehören dazu, ebenso ein Garten für die Sinne mit duftenden Sträuchern und ein Steingarten. Die unmittelbar an die Seitenflügel angrenzenden Außenbereiche dienen eher der Ruhe und werden von einer Ligusterhecke umsäumt. An einem Gebäudeflügel stehen mehrere Obstbäume, die an ein Spalier gebunden sind, damit die Bewohnerinnen und Bewohner sie leicht abernten können.

Das südliche Hofareal ist der Tierhaltung vorbehalten: Der Hühnerstall befindet sich dort, neben einer kleinen Werkstatt für Reparaturen und andere handwerkliche Tätigkeiten sowie einem Abstellraum für die Geräte. Auch die Nebengelasse sind zweckmäßig durch Laubengänge mit den Seitenflügeln verbunden.

Fazit

Mit der Förderung dieses Standorts wendet sich der Bund einer besonderen Betreuungskultur im ländlichen Raum zu. In der Vergangenheit zum Teil belächelt, greift das Projekt die natürliche Lebensumwelt aktiv auf, knüpft an die Biografie und die Lebensgewohnheiten der demenzkranken Bewohnerinnen und Bewohner an und bietet so Kontinuität und Vertrauen. Besonders innovativ ist nicht zuletzt die baulich–gestalterische Konzeption, die einfühlsam die Rahmenbedingungen für ein "Leben auf dem Land" schafft.

Projektdetails

Träger

Diakonische Altenhilfe
Niederlausitz gemeinnützige GmbH
Feldstraße 24
03044 Cottbus

Fertigstellung

2006

Gesamtkosten

750.000 Euro

Förderung BMFSFJ

500.000 Euro

Fläche

736 Quadratmeter Nettogrundfläche

Wohneinheiten

12