Förderzeitraum beendet

Krumbholzvillen – Wohnen mit Service, Bernburg (Saale)

Zukunftsweisende Architektur und Betreuung für Demenzkranke

Das Projekt

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  • Wohngemeinschaften für gerontopsychiatrisch erkrankte Menschen
  • "Wohnen vor Pflege"
  • Kleinräumigkeit und Überschaubarkeit
  • Integration statt Isolation
  • Beteiligung von Angehörigen

Der Standort

Im Klosterwinkel 7–9
06406 Bernburg
Sachsen-Anhalt
www.volkssolidaritaet.de

Nutzungskonzept

 

Die Einrichtung "Seniorenzentrum Krumbholzblick" bietet insgesamt verschiedene Wohn- und Betreuungsformen für demenziell erkrankte ältere Menschen: ein gerontopsychiatrisches Pflegezentrum, altengerechte Wohnungen und die Wohngemeinschaften. Die neuen Wohngemeinschaften sollen den Bewohnerinnen und Bewohnern ein Höchstmaß an normaler Wohn– und Lebensqualität bieten.

Wohngemeinschaften mit permanenten Ansprechpartnern

In den Wohngemeinschaften leben die Bewohnerinnen und Bewohner wie in einer großen Familie zusammen. Die Wohnumgebung und das Gemeinschaftsleben sind für sie überschaubar. Die Wohngemeinschaft gewährleistet Kleinräumigkeit, Vertrautheit, Aktivität und menschliche Nähe. Das Angebot richtet sich an Menschen, die aufgrund ihrer demenziellen Erkrankung betreut, aber noch nicht unbedingt in einem Altenpflegeheim versorgt werden müssen. Zielgruppe sind Menschen, die gut in einer Gruppe zusammen leben können, wenn mindestens ein permanenter Ansprechpartner als Pflegeperson vorhanden ist. Im Mittelpunkt des Konzepts steht das Wohnen, das im Bedarfsfall durch eine adäquate Pflege und Betreuung erweitert werden kann. Die Refinanzierung von Leistungen, die über das Mietverhältnis hinausgehen, erfolgt über gesonderte Abrechnungen. Das Konzept ist Beispiel für die auch international viel diskutierten Ansätze, kleinteilige Wohn– und Betreuungsangebote im Rahmen eher ambulant ausgerichteter Hilfen zu schaffen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Prinzip der Wohngemeinschaften ist: so viel Normalität und Eigenverantwortung wie möglich und so wenig Hilfe und Betreuung wie nötig. Schwerpunkt der betreuenden Tätigkeit ist die Förderung der Hilfe zur Selbsthilfe. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen möglichst selbstständig ihren Lebensalltag bewältigen. Nach ihren Fähigkeiten und Vorlieben helfen sie mit, ihren Wohngemeinschaftshaushalt zu führen.

Integration statt Isolation

Angehörige der Bewohnerinnen und Bewohner sollen regelmäßig in den Alltag der Wohngemeinschaft eingebunden werden. Idee ist, dass bei den Wohngemeinschaftsmitgliedern an jedem Tag der Woche ein anderer Angehöriger die Betreuung der Wohngemeinschaft übernehmen kann. Die fachliche Begleitung und Supervision der Angehörigenarbeit ist durch den Verbund der Einrichtung unter dem Dach des gerontopsychiatrischen Pflegezentrums abgesichert. Lässt sich das Konzept der Angehörigenarbeit so nicht umsetzen, wird für die Einrichtung während des Tages eine feste Bezugsperson als "Alltagsmanagerin" oder "Alltagsmanager" zuständig sein. Die bestehenden, kooperativen Beziehungen zur benachbarten Schule für Kinder mit Behinderung sollen weiter ausgebaut werden. Auch Kontakte zu einer Einrichtung des betreuten Wohnens für Jugendliche mit geistiger Behinderung werden angestrebt.

Wie es geplant und gebaut wurde

Sanierte Stadtvillen mit neuem Zwischenbau

Die Wohngemeinschaften im Stadthaus am Krumbholz wurden durch eine Kombination aus Umbau und Neubau geschaffen. Zwei Stadtvillen wurden vollständig entkernt, saniert und mit einem neuen Zwischenbau verbunden. Das Umbauprojekt ist ein interessantes und wegweisendes Beispiel für die Schaffung moderner Wohn– und Pflegestandards — in einem bestehenden kleinteiligen baulichen Ensemble in kleinstädtischer Lage.

"Normale" Wohnungen

Das Gebäudeensemble hat drei barrierefreie Geschosse, die mit einem Aufzug erreichbar sind. Im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss gibt es jeweils eine Wohnung mit circa 250 Quadratmetern für eine Wohngemeinschaft mit sieben Bewohnerinnen und Bewohnern. Zwei weitere Bewohnerappartements sind im Dachgeschoss, sie eignen sich gut für Ehepaare. Die Wohnungen bieten vertraute Strukturen einer "normalen" Wohnumgebung. Zentraler Lebens– und Kommunikationsraum jeder Wohngemeinschaft ist die große Wohnküche. Auch ein Wohnzimmer bietet Raum für gemeinschaftliches Beisammensein. An Funktionsräumen gibt es im Erd– und Obergeschoss jeweils ein Pflegebad, ein Arbeitszimmer für die Bezugsperson, ein Gäste–WC und Abstellräume. Im Untergeschoss befinden sich neben Abstell–, Hauswirtschafts– und Technikräumen auch Therapieflächen für externe Anbieter.

Viel Privatsphäre im Einzelzimmer

Die Einzelzimmer mit Wohn– und Schlafraum sind privater Bereich. Die Zimmergröße variiert zwischen 14 und 27 Quadratmetern. Zu jedem Zimmer gehört ein Bad mit Waschbecken, Dusche und WC (5 bis 10 Quadratmeter). Um eine individuelle, vertraute Umgebung zu schaffen, sollen die Zimmer mit eigenen Möbeln und Gegenständen eingerichtet werden. Jedes Zimmer hat einen eigenen Telefon– und Fernsehanschluss und einen eigenen Briefkasten. Auf jedem Geschoss können zwei Einzelzimmer zur gemeinsamen Nutzung — zum Beispiel für ein Ehepaar — verbunden werden. Ein Zimmer im Erdgeschoss ist rollstuhlgerecht gestaltet.

Freibereiche im Garten und auf dem Dach

Vor der Wohnküche im Erdgeschoss liegt eine Terrasse mit direktem Zugang zum Garten, das Flachdach des Zwischenbaus ist als eine große Dachterrasse angelegt. Beide Freibereiche sind von allen Bewohnerinnen und Bewohnern nutzbar. Die großzügige Gartenanlage auf der Südseite liegt in einem geschützten Bereich, an den der öffentliche Krumbholzpark unmittelbar angrenzt. Der Garten ist durch Hecken zum Park hin geschützt und bietet mit Gemüsebeeten, Sitzgruppen, schattenspendenden Bäumen, Sport– und Spielbereichen viel Abwechslung.

Fazit

Gute und richtungsweisende Verbindung von Alt und Neu: In eine bestehende Altbausubstanz wurden zukunftsweisende Standards gelungen implementiert. Das Haus schafft eine beispielgebende Atmosphäre der Privatheit, Individualität und Geborgenheit für die Bewohnerinnen und Bewohner

Projektdetails

Träger

Volkssolidarität habilis gGmbH Sachsen-Anhalt
Leipziger Straße 16
39112 Magdeburg

Architekt

Steffen Weigel
Im Heidefeld 65
39175 Wahlitz

Fertigstellung

Februar 2004

Gesamtkosten

1.953.000 Euro

Förderung BMFSFJ

409.000 Euro

Fläche

991 Quadratmeter Nettogrundfläche (Erdgeschoss, Obergeschoss, Dachgeschoss)
62 Quadratmeter Nettogrundfläche pro Platz

Plätze

16 Plätze in Wohngemeinschaften

Zusätzliche Angebote

Begegnungsstätte der Volkssolidarität