Förderzeitraum beendet

Wohnverbund für Menschen mit Behinderung, Eisenach

Verbesserung der Wohn– und Lebensmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen

Das Projekt

Bunte Neubauzeichnung der Straßenfront. Link öffnet das Bild vergrößert in einer Lightbox mit Bildergalerie.
  • Satellitenartiges Verbundmodell um eine Zentrale
  • Wohn- und Betreuungsangebote auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten
  • System der "kurzen Wege"
  • enge Zusammenarbeit von Wohnheim und ambulanten Diensten
  • Wahlmöglichkeiten
  • Umbau eines Gründerzeitwohnhauses mit ergänzendem Neubau

Der Standort

Goldschmiedenstraße 14
99817 Eisenach
Thüringen
www.diako-thueringen.de

Nutzungskonzept

Die Angebote des neuen Wohnverbundes sollen die Wohn- und Lebensverhältnisse für Menschen mit einer geistigen oder mehrfachen Behinderung spürbar und nachhaltig verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei das neue Wohnheim sowie die im gleichen Gebäude untergebrachte Zentrale des Wohnverbundes. Sie bildet das räumliche und inhaltlich-organisatorische Kernelement des Wohnverbund-Modells, denn um dieses "Zentrum" gruppieren sich sternförmig dezentrale, kleinteilige Wohnangebote. Dazu zählen unter anderem Außenwohnen, betreutes Wohnen und Wohnen bei Angehörigen. Das Netzwerk unterschiedlicher Wohnangebote bietet Menschen mit geistiger Behinderung und differenziertem Hilfebedarf die Möglichkeit, in der für sie am besten geeigneten Wohnform zu leben. Als Grundprinzip gilt, so selbstbestimmt wie möglich und so unterstützt wie nötig leben zu können. Sollte sich die individuelle Bedarfslage verändern, ist der Wechsel in eine andere Wohnform desselben Projekts möglich, ohne dass sich der sozialräumliche Bezug grundlegend verändert: alle Angebote sind nur 10 bis 15 Minuten Fußweg von der Zentrale entfernt.

Das neue Wohnheim bietet 24 Plätze für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Sie werden hier Vollzeit betreut und erhalten die notwendige Hilfe und Unterstützung, um soweit wie möglich selbstständig ihren Lebensalltag zu meistern. Je nach individueller Entwicklung können die Bewohnerinnen und Bewohner später auch in eine der anderen Wohnformen wechseln.

Darüber hinaus befindet sich im Gebäude die Zentrale des Wohnverbundes mit einer Begegnungsstätte, einem Internet-Café sowie Verwaltungs- und Beratungsräumen. Die Begegnungsstätte erfüllt vielfältige Funktionen: Neben Veranstaltungen und sozialen Foren werden von dort das Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wohnverbundes und die zentralen Dienstleistungen für die anderen Wohnformen geleitet und koordiniert. Zugleich stehen den Bewohnerinnen und Bewohnern, Leistungsträgern, gesetzlichen Betreuern und Angehörigen dort kompetente Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung. In der Begegnungsstätte gibt es eine — auch für die anderen Wohnformen des Verbundes — abrufbare Tag- und Nacht-Bereitschaft.

Ein organisierter Treff und das Internet-Café bieten Menschen mit geistiger Behinderung auch neue Spielräume, um an der gesellschaftlichen Entwicklung teilzuhaben und miteinander zu kommunizieren. Spezielle Hilfestellungen ermöglichen es ihnen, dieses Medium zu nutzen.

Architektur

Der Standort von Wohnheim und Zentrale befindet sich in der Innenstadt von Eisenach in unmittelbarer Nähe des Rathauses und des Marktplatzes. Nur wenige Minuten entfernt gibt es eine Bushaltestelle und ebenso kurz sind die Wege zu den anderen Einrichtungen des Trägers.

Das Bestandsgebäude war ein dreigeschossiges Wohnhaus aus der Gründerzeit. Aufgrund der sehr schlechten Bausubstanz wurde das Gebäude weitestgehend abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Davon ausgenommen ist die Fassade. Sie wurde erhalten und saniert, da sie als schützenswerte Gründerzeitfassade unter Ensembleschutz der Eisenacher Innenstadt steht.

Der Neubau hat nach der Erneuerung auch drei Geschosse. Die L-förmige Ausbildung umfasst neben dem Vordergebäude einen Anbau im hinteren Bereich. Dieser Anbau ist einhüftig, das heißt alle Räume gruppieren sich entlang nur einer Flurseite. Das gesamte Gebäude ist barrierefrei und mit einem Aufzug ausgestattet.

Das Erdgeschoss ist der Zentrale des Wohnverbundes vorbehalten, wobei die gemeinschaftlich nutzbaren Angebote wie Beratungsräume, Treff und Internet-Café im Vorderhaus angesiedelt sind. In einer Teeküche kann man kleine Mahlzeiten zubereiten, sie soll aber auch als Übungsküche für hauswirtschaftliche Bildungs- und Förderangebote dienen. Der hintere Gebäudeteil beherbergt vier Verwaltungs- und Beratungsräume sowie einen Ruheraum, der auch von der Nachtbereitschaft genutzt wird.

In den Obergeschossen von Vorderhaus und Anbau befindet sich das Wohnheim. Im ersten und zweiten Obergeschoss gibt es jeweils neun, im Dachgeschoss vier Wohnheimplätze und zwei Plätze für das Trainingswohnen. Alle sind als Einzelzimmer geplant. Die Größe der Zimmer variiert von 15,5 bis knapp 19 Quadratmetern. 12 Zimmer sind mit einem eigenen Bad (Dusche/WC) ausgestattet. Im Übrigen ist jeweils ein Bad zwei Zimmern zugeordnet, wobei jedes einen separaten Zugang dazu hat. Auf jeder Etage gibt es einen großen Wohnküchenbereich, in dem Mahlzeiten zubereitet und eingenommen werden und der zugleich gemeinsamen Aktivitäten dient. Ein Pflegebad, ein Hausarbeits- und Abstellraum sowie ein Gäste-/Personal-WC komplettieren das Raumangebot im ersten und zweiten Obergeschoss.

Im Rahmen des Um- und Neubaus wurde auch der Hof neu gestaltet. Er grenzt unmittelbar an ein Grundstück des Trägers in der Schmelzerstraße, der dort eine Werkstatt für Behinderte und einen Laden betreibt. Beide Grundstücke wurden im Rahmen der Neugestaltung des Innenhofes miteinander verbunden, sind barrierefrei und auf kurzem Weg erreichbar.

Fazit

Der Wohnverbund ist ein innovatives, an den individuellen Bedürfnissen von Menschen mit geistiger Behinderung orientiertes Wohn- und Betreuungsangebot. Hervorzuheben ist die behutsame architektonische Lösung in innerstädtischer Lage. Die Verzahnung von Wohnheim mit den angegliederten, insbesondere häuslich-zugehenden Diensten ist beispielhaft. Sie bietet gute Wahlmöglichkeiten und ein effektives und wirtschaftliches Zusammenwirken im Interesse der Bewohnerinnen und Bewohner.

Projektdetails

Träger

Diako Diakonie-Verbund Eisenach gGmbH
Friedenstraße 10
99817 Eisenach

Architekt

 

Sauerbier Wagner Giesler GbR
Architekten & Diplomingenieure
Uferstraße 10
99817 Eisenach

Fertigstellung

2006

Gesamtkosten

rund 2.500.000 Euro

Förderung BMFSFJ

800.000 Euro

Fläche

919 Quadratmeter Nettogrundfläche im Wohnheim
38 Quadratmeter Nettogrundfläche pro Platz
494 Quadratmeter Nettogrundfläche im Wohnverbund

Plätze

24 Plätze
22 Wohnheimplätze in Einzelzimmern
2 für Trainingswohnen
36 Plätze verteilt auf vier Außenwohngruppen

Zusätzliche Angebote

Zentrale des Wohnverbundes mit übergreifenden Serviceangeboten
Begegnungsstätte
Internet-Café