Förderzeitraum beendet

Altenpflegeheim Hüfingen

Integrierte Technikerprobung — Potenziale für mehr Lebensqualität und betriebliche Effizienz

Das Projekt

Hunteransicht des dreistöckigen Flachbaus mit großem Teich. Link öffnet das Bild vergrößert in einer Lightbox mit Bildergalerie.
  • Experimenteller Technologieeinsatz gekoppelt mit ressourcenschonendem Umbau eines Heims
  • Automatisierte, tageslichtgeführte Steuerung von Beleuchtung, Belichtung und Verschattung
  • Lichtdecke für Therapie
  • Desorientiertensystem, Sturzdetektoren
  • PC-Einsatz in der Betreuung
  • Technische Vernetzung aller Abteilungen (Pflege, Küche, Wäscheabteilung, Verwaltung)
  • Wegfall des Formularwesens
  • Wirtschaftlicher Energieeinsatz, Einsparung von Betriebskosten
  • Aufwertung der Altbau-Bereiche
  • Gezielte Erprobung eines flexiblen Betriebskonzepts

Der Standort

Hauptstraße 2
78183 Hüfingen
Baden-Württemberg
www.altenpflegeheim-huefingen.de

Was es bietet

Die Einrichtung

Das Fürstlich Fürstenbergisches Altenpflegeheim 'residiert' in einem Mitte des 18. Jahrhunderts erbauten Schlossgebäude in zentraler Lage in Hüfingen. Verschiedenste Nutzungen – fürstliche Wohnstatt, Oberamt, Armen- und Waisenhaus, Landesspital – beherbergte das weitläufige Gebäude im Lauf der Zeit, bis es in den 50er Jahren zu einem Landesheim um- und ausgebaut wurde, mit einer Belegung durch bis zu 310 Personen.

Weitere Umbauten in den Folgejahren, in denen das Heim bis 1972 als (Waisen-)Kinder- und Altersheim geführt wurde, versuchen den sich wandelnden Ansprüchen und Versorgungskonzepten gerecht zu werden. Seitdem ist die Einrichtung ein Altersheim, in dem die Betreuung von an Demenz Erkrankten inzwischen ein zentrales Anliegen ist.

Die heutige Belegung mit rund 120 pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren wird auch durch den Erweiterungsbau mit 36 Plätzen nicht erweitert werden, sondern dort die Einrichtung von Wohngruppen für demeziell Erkrankte ermöglichen und in den Bestandbauten die bislang dichte Wohnsituation in Mehrbettzimmern zugunsten einer Erhöhung bei den Einbettzimmern deutlich verbessern.

Bauliche Situation

Die Lage und Ausrichtung der beiden Altbauten des Bestandes (Winkel aus Schlosshauptbau und Anbau) ließen eine Erweiterung nur nach Westen hin zu und erforderten den Abriss eines kleineren Gebäudes sowie einen – allerdings begrenzten – Eingriff in die denkmalgeschützte Gartenanlage.

Dadurch ergibt sich zwangsläufig eine insgesamt lang gezogene Erschließungsstruktur, die sich jedoch durch die gewählte Nutzungskonzeption für die einzelnen Gebäudeteile nicht negativ auswirkt. Gleichzeitig wird die Rückseite der bestehenden städtischen Festhalle kaschiert beziehungsweise in die neue Architektur einbezogen (Belichtung und Belüftung durch Ausbildung eines Innenhofes).

Die drei Geschosse des Erweiterungsbaus bieten Raum für drei Wohngemeinschaften, die besonders auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz ausgerichtet sind. Ein verglaster Verbindungssteg zum Schlossanbau erleichtert die organisatorische Verknüpfung zum Bestand. Motorisch unruhige Bewohnerinnen und Bewohner finden an den Endpunkten der Flure Ablenkungen durch Ausblicke oder gemütliche Sitzecken. Farb- und Lichtgestaltung sowie die ungewöhnliche Modulation der Flurwand bieten vielfältige Anregungen.

Die Nähe zum Garten, der mit geringem Aufwand weglaufsicher gestaltet wurde, ist gerade bei Demenz von ausschlaggebender Bedeutung. Im Mittelpunkt der Wohngemeinschaften liegt der Ess-Wohnbereich mit offener Küche.

Konzeption und Gestaltung

Bauliche Konzepte müssen die Dynamik betrieblicher Veränderungen berücksichtigen. Eine besondere Herausforderung sind dabei Konzepte, die Personalpräsenz in Kleingruppen vorsehen, wie zum Beispiel Wohngemeinschaften. In Hüfingen werden durch den Anbau unterschiedliche Möglichkeiten der Zusammenfassung zu betrieblichen Einheiten geschaffen.

Man kann den Neubauteil und den sanierten Schlossanbau als jeweils ein Haus (mit circa 36 Plätzen) betreiben, in dem jeweils drei Wohngemeinschaften zu je 12 Plätzen übereinander angeordnet sind (vertikale Zusammenfassung). Es gibt aber auch im 1. und 2. Obergeschoss die Möglichkeit, den Neubauteil mit dem sanierten Schlossanbau zusammenzuschalten (horizontale Zusammenfassung) und als eine Einheit zu organisieren. Die Lage der Pflegestützpunkte und der Pflegebäder ist jeweils so gewählt, dass diese alternativen Nutzungsmöglichkeiten gestützt werden.

Ein Text zum Gestaltungs- und Betriebskonzept steht in der rechten Spalte zum Herunterladen bereit.

Wie es geplant und gebaut wurde

Technikeinsatz bei Demenz

Dank der investiven Förderung durch das BMFSFJ im Rahmen der Modellreihe 'Das intelligente Heim' war es im Fürstlich Fürstenbergischen Altenpflegeheim möglich, eine über dem Standard liegende technische Ausstattung zu installieren, die sowohl das Personal entlasten, als auch die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner erhöhen soll. Dabei wurde insbesondere für die Demenzwohngruppe im Erweiterungsbau durch "intelligente Technik“ versucht, den Bewohnerinnen und Bewohnern mehr Sicherheit und Autonomie sowie Anregung und Stimulation zu bieten.

Der Technikeinsatz bezieht sich im Wesentlichen auf vier Bereiche:

  • Kommunikation und Sicherheit
  • Selektive Türsteuerung an Zimmer- und Ausgangstüren
  • Sinnes-Anregung
  • Licht und Beleuchtung.

Schutz und Sicherheit

Zur Verbesserung der Kommunikation und Erhöhung der Sicherheit wurden die Telefonanlage, die Lichtrufanlage und die installierten Bewegungsmatten zusammengeschaltet. Die Pflegekräfte sind mit DECT-Telefonen ausgestattet und haben die Möglichkeit, miteinander und mit den Bewohnerinnen und Bewohnern zu kommunizieren. Sämtliche Rufsignale laufen auf das tragbare Telefon auf, es kann unmittelbar reagiert werden. Verlässt eine sturzgefährdete Person beispielsweise nachts das Bett, wird über die Bewegungsmatte ein Signal an die Nachtbereitschaft ausgelöst. Diese Maßnahmen sparen Wege und Zeit und erhöhen die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner.

Zum Selbstschutz von Personen mit Demenz, die dazu neigen, das Haus unbeobachtet zu verlassen, können Ausgangs- und Gartentüren überwacht werden. Das Haus verfolgt dabei das Konzept der "offenen Türen“. Alle Türen sind im Regelfall unverschlossen, das heißt es besteht für alle Personen ohne aktivierten Transponder zu allen Räumen jederzeit freier Zutritt. Über die zugrunde liegende Sender-Empfänger-Technik können die Ausgangstüren für einzelne, gefährdete Personen zeitweise verschlossen werden, zum Beispiel in den Tagen nach der Aufnahme ins Haus. Diese Form von Weglaufschutz besteht aus einem fest installierten Empfangsgerät mit Wandantenne und einem elektronischen Sender, den die Person mit sich führt. Nähert sich die zu schützende Person mit ihrem elektronischen Sender einer Tür, wird diese aktiviert: je nach Programmierung wird sie verschlossen oder das Personal über einen stillen Alarm informiert. Der Transponder wird in Form einer Uhr getragen, die nicht selbstständig abgenommen werden kann. Das Personal wiederum nutzt einen 'übergeordneten' Transponder, mit dem sich alle Türen entriegeln lassen.

Bei den Zimmertüren besteht die Möglichkeit, die Bewohnerinnen und Bewohner vor nicht erwünschtem Besuch zu schützen und damit die Ängste vor nächtlichem Eindringen zu verringern. Auch tagsüber kann es notwendig werden, bestimmte Personen am Betreten fremder Zimmer zu hindern. Dabei bleibt gesichert, dass die Bewohnerin ihr beziehungsweise der Bewohner sein Zimmer immer verlassen kann.

Licht und Beleuchtung

Da im Alter die Linse oftmals trüber wird, liegt der Lichtbedarf für "gutes Sehen“ höher. Zu wenig Licht mindert die Kompetenz, verschlechtert das Sehen und erhöht die Sturzgefahr. Trotz weitgehend natürlicher Belichtung der Flure wurden zur Sicherung einer optimalen Lichtsituation in Fluren und Aufenthaltsbereichen indirekt strahlende Leuchten mit einer Beleuchtungsstärke von 500 Lux (in Augenhöhe) eingebaut.

Die Leuchten in den Fluren können in der Lichtstärke und in der Lichtfarbe variiert werden – damit wird das circadiane System beeinflusst, das den Tag-Nacht-Rhythmus bestimmt. Bei 'circadianem Licht' wird der Lichtverlauf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang imitiert. Am Morgen hat das Licht einen hohen Blauanteil, mittags wird die Beleuchtungsstärke auf über 500 Lux erhöht, am Abend dagegen dominiert der Rot-Anteil. Gegebenenfalls kann die Lichtstärke jederzeit auf das Maximum erhöht beziehungsweise auf bestimmte Nutzungssituationen eingestellt werden.

In der Therapiezone des Eerdgeschosses wurde eine Lichtdecke mit über 2000 Lux – ebenfalls auf die Augenhöhe bezogen – eingebaut, durch die der bei Pflegeheimbewohnerinnen und - bewohnern häufige Mangel an Sonnenlicht ausgeglichen werden soll. Durch eine gezielt eingesetzte Lichttherapie können Depressionen vermindert, das Aktivitätsniveau erhöht sowie das circadiane System positiv beeinflusst werden.

Die Architektur des Hauses und die Innenraumgestaltung schaffen vielfältige Sinnesanregungen. Zusätzliche Anreize bieten speziell auf ältere Menschen zugeschnittene Computer mit Touchscreen, die auch von Menschen mit Demenz genutzt werden können. Einfache, seniorengerechte Spiele, ein historisches Nachrichtenprogramm, eine einfache Möglichkeit, E-Mails zu versenden und weitere Software soll älteren Menschen den Zugang erleichtern und dazu beitragen, dass Besucher, wie zum Beispiel die Enkel, eine attraktive Möglichkeit finden, mit den Großeltern etwas zu unternehmen. Zudem können die Computer zur Unterstützung von Biografiearbeit eingesetzt werden.

Evaluation

Die Demenz Support Stuttgart gGmbH führte 2008/2009 mit finanzieller Unterstützung der Gradmann-Stiftung eine Untersuchung zum Technikeinsatz bei Demenz durch. Ziel der Studie ist es, mehr über das Potenzial von Technik (High Technology) zur Erhöhung der Lebensqualität der von Demenz betroffenen Menschen in Erfahrung zu bringen, aber auch mögliche Probleme des Technikeinsatzes zu reflektieren. Das Fürstlich Fürstenbergische Altenpflegeheim ist – neben weiteren Einrichtungen – Teilnehmer an der Studie. - Sinnes-Anregung - Licht und Beleuchtung.

Projektdetails

Einrichtung/ Träger

Fürstlich Fürstenbergisches Altenpflegeheim
Hauptstraße 27
78183 Hüfingen

Ansprechpartner

GSP Gesellschaft für soziales Planen mbH
Rotenwaldstraße 41
70197 Stuttgart

Gesamtkosten

circa 5.400.000 Euro

Gesamtkosten "zukunftsorientierte Technik"

circa 730.000 Euro

Plätze

Dauerpflege 119 Plätze
Tagespflege 6 Plätze, eingestreut

Weitere Angebote des Trägers

Essen auf Rädern
Offener Mittagstisch im Hause
Kurzzeitpflege

Projektpartner

Kommunikationssysteme für Senioren

Plejaden communications GmbH & Co KG
Krottenseestraße 45
A-4810 Gmunden

Lichtkonzept und Leuchten

Herbert Waldmann GmbH & Co KG
Peter-Henlein-Straße 5
78056 Villingen-Schwenningen