4. Werkstattgespräch 11. Dezember 2015:
Weniger Barrieren und viel Begegnung und Mitgestaltung – das Anlaufstellenprogramm unterstützt Wohnungsunternehmen und verbessert die Wohnsituation älterer Menschen

Wohnortnahe Angebote sind Grundvoraussetzung
Der Schlüssel liegt im Quartier, also vor Ort in den Nachbarschaften. "Bestimmte Infrastrukturen, wie Einkaufen, ÖPNV, abrufbare Pflege sind für das selbstbestimmte und selbstständige Leben im Alter wichtig", betonte Rolf Schettler, Geschäftsführer der Schettler Unternehmungen aus Herten. Diese Angebote vorzuhalten, werde in einigen Regionen immer schwieriger. Dabei seien funktional gemischte Quartiere entscheidend, damit auch ältere Menschen sich zuhause zu fühlen. So könnte nur im Zusammenwirken verschiedener Akteurinnen und Akteure, wie Wohnungswirtschaft, Kommune und Sozialverbänden, ein Netzwerk entstehen, was Seniorinnen und Senioren bei der Umsetzung ihrer individuellen Wohnwünsche unterstütze.
Das bestätigte auch Kati Stein, Geschäftsführerin der Wohnungsgesellschaft Adorf/ Vogtland mbH. Unter dem Motto "Unsere Tür steht jedem offen" wurden 23 Wohnungen eines alten Plattenbaus in der Schillerstraße altersgerecht umgebaut und zwei Apartments für Wohngruppen errichtet. Ein Hausmeister, der beim Wechsel der Glühlampe hilft, ein Pflegedienst sowie die durch einen Verein betriebene, neue Begegnungsstätte, eine Physiotherapie und ein Friseur im Haus schaffen ein Angebot, was für alte und neue Mieterinnen und Mieter interessant sein könne, sagte Stein. Um allerdings über das Quartier hinaus bekannter zu werden, brauche es noch mehr Öffentlichkeitsarbeit. Bisher sei das neue Angebot nicht kostendeckend. Weitere Fortschritte auf diesem Weg versprechen sich die Verantwortlichen in Adorf nicht zuletzt von der Mitarbeit im Bundesprogramm "Demografiewerkstätten", in das sie Anfang 2016 aufgenommen worden sind. Mit Einkaufsmöglichkeiten und Wochenmarkt, Arztpraxen sowie dem Familien- und Kulturzentrum hat der zentral gelegene Kölner "Paulinum Westhoven Park" eine gute Ausgangslage. Die Sahle Wohnen mbH bietet dort neben Reihenhäusern für Familien 114 barrierefreie und finanziell erschwingliche Seniorenwohnungen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein. Am meisten nachgefragt seien Zwei-Zimmerwohnungen mit kleinen Grundrissen, sagte die für das Wohnmanagement zuständige Sybille Jeschonek. Durch eine Pflegeeinrichtung vor Ort, die durch eine eigens gegründete Tochtergesellschaft betrieben wird, könnten Betroffene auch bei Pflegebedürftigkeit in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben. "Die konsequente Nachbarschaftsarbeit führt dazu, dass es im Westhoven Park kaum Probleme, etwa mit der Sicherheit oder auch Graffitis, gibt", resümierte Jeschonek – die Quartiersarbeit unterstütze die Mieterbindung, sei letztlich aber ein Zuschussgeschäft für das Unternehmen.
Wohnungswirtschaft und Kommune im Gespräch
Kleine Maßnahme – große Wirkung
Für die Zukunft wünschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr Anerkennung ihrer Arbeit, auch durch die Politik. Bessere, auch steuerliche, Refinanzierungsmöglichkeiten könnten Wohnungsunternehmen dazu bringen, ihre Angebote auszuweiten. Es müsse langfristig und für mehrere Generationen geplant werden. Einigkeit bestand dahingehend, dass private Eigentümer noch stärker vom Thema überzeugt werden müssten. Hier seien gezielte Abstimmungen erforderlich und es brauche tatkräftige Macher vor Ort. "Kleine Maßnahmen mit großen Wirkungen", so fasste Dr. Barbara Hoffmann als zuständige Referatsleiterin im Bundesfamilienministerium das Modellprogramm zusammen. Bauliche und soziale Maßnahmen müssten sinnvoll zusammengedacht werden, damit die Anlaufstellen weiterhin gut funktionieren, Bestand haben und sich auch Jüngeren öffnen können.

Vorträge
Modern und dauerhaft wohnen im Veedel: Paulinum Westhoven Park
Referentin: Sybille Jeschonek












