Reichweite bis nach Wien …

Zwei Frauen und zwei Männer präsentieren einen Kastenwagen.
Foto: Volkssolidarität Uecker Randow e. V.

Förderprojekte im Blickwinkel des 7. Altenberichts

Die Volkssolidarität Uecker-Randow hat es bis in eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien geschafft. – Und dies mit dem Projekt Geromobil, einer Initiative zur aufsuchenden Beratung von Menschen, die Hilfe und Informationen rund um das Thema Pflege und Demenz benötigen. Das Bundesfamilienministerium hat das Projekt in seinem Programm "Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen" gefördert, jetzt wurde es von der Uni Wien als "Best Practice International" vorgestellt. Am 17. Januar 2018 konnten sich in Pasewalk die Teilnehmenden einer Fachkonferenz zum Siebten Altenbericht der Bundesregierung von dem Projekt und seiner Bedeutung für den ländlichen Raum überzeugen – als Angebot, dessen Inanspruchnahme den Menschen möglichst leicht fallen soll.

Monica Clasen erinnert sich an die Beweggründe der Volkssolidarität zur Entwicklung des Geromobil vor rund zehn Jahren: "Vor allem in ländlichen und strukturschwachen Regionen gibt es oft einen schlechten Zugang zu Fachinformationen und Beratung. Auch beobachteten wir, dass Themen wie Demenz häufig noch mit Tabus belastet und bei Betroffenen und Angehörigen mit Scham und Stigmatisierung verbunden sind. Daher war es Teil unserer Überlegungen, Ratsuchenden auch die Möglichkeit einer gewissen Anonymität zu bieten." Eine Bedarfsanalyse habe die Annahmen bestätigt, und so wurde aus dem Konzept ein Angebot: Seit 2013 "beliefert" das Geromobil in Form eines speziell ausgestatteten, barrierefreien Kleintransporters die Region Uecker-Randow mit Informationen und Beratung - den Tourenplänen entsprechend in 41 Gemeinden.

"Unsere Informationsangebote sind für die Ratsuchenden kostenlos", ergänzt Ronny Thom, der das Projekt seit Jahresbeginn bei der Volkssolidarität betreut. "Unterstützt werden wir von Seiten der teilnehmenden Gemeinden, indem diese die Tourenpläne in den lokalen Amtsblättern veröffentlichen, Parkmöglichkeiten und teilweise auch Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung stellen." Die Kooperation mit den Kommunen sei wichtig, da diese oft auch die Träger weiterer Unterstützungsangebote sind und die Hilfen so ineinander greifen können. Dies bestätigt auch Dirk Scheer, der für Soziales zuständige Dezernent des Landkreises Vorpommern-Greifswald: "Schlüsselprojekte wie das Geromobil helfen, eine Infrastruktur zu entwickeln und aufrechtzuerhalten, die gerade die Bedürfnisse älterer Menschen in den Blick nimmt. Denken wir beispielsweise an Herausforderungen, die sich aus einem sich verändernden öffentlichen Personennahverkehr ergeben. Es ist wichtig, dass Beratung zu den Menschen kommen kann, die darauf angewiesen sind."  Ronny Thom von der Volkssolidarität ergänzt: "Positive Auswirkungen zeigen sich auch in einer deutlichen Zunahme von Selbstinitiativen unter pflegenden Angehörigen und in einer langsamen, aber doch feststellbaren Enttabuisierung von Themen wie Demenz und Schwerstpflege". Er freue sich, dass das Geromobil unter anderem schon in Berlin, Hamburg, Hannover und Bonn vorgestellt wurde - bis es dann den Weg in die Studie "Wie gesellschaftliche Innovationen besser gelingen" der Uni Wien geschafft hat.

Lebenskulturhaus: Weiteres Projekt mit Erfolg und zusätzlichen Angebotskomponenten nach der Förderphase

Tanzveranstaltung für Jung und Alt.
Foto: Diakonie Sozialdienst Thüringen gGmbH

Ein Beispiel für nachhaltige Entwicklung ist auch das Lebenskulturhaus in Gefell, eine im thüringischen Saale-Orla-Kreis gelegene so genannte Landstadt, die mit rund 2.500 Einwohnerinnen und Einwohnern besondere strukturelle Herausforderungen zu meistern hat. Durch einen baulichen Zuschuss im Programm "Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen" ist ein Ort der Begegnung entstanden, in dem Menschen aus Gefell und den umliegenden ländlichen Gemeinden unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder körperlichen und geistigen Fähigkeiten Gemeinschaft erleben können.

Martin Scheidt, Geschäftsbereichsleiter Wohnen und Beratung der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein: "Das Lebenskulturhaus ermöglicht die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und fördert das Miteinander. Seit der Sanierung und Instandsetzung konnten wir unsere Angebotspalette erweitern, zum Beispiel haben wir jetzt das Angebot einer Tagespflege". Die 15 Plätze seien regelmäßig nachgefragt und ausgelastet. Möglichkeiten einer ambulanten aufsuchenden Beratung wurden bereits geschaffen, sollen aber für Menschen, die nicht in das Lebenskulturhaus kommen können, durch ein "Mobiles Seniorenbüro" weiterentwickelt werden. "Auch im Bereich der Flüchtlingsarbeit sind wir in der Kooperation mit einem benachbarten Flüchtlingsheim aktiv - und damit ein Lebenskulturhaus im besten Sinne", ergänzt Martin Scheidt und weist dabei auch auf Möglichkeiten der Netzwerkbildung hin. Hieraus können sich positive Effekte und Synergien für einen Verbleib der Menschen in der häuslichen Umgebung und gegen teure Einweisungen in stationäre Einrichtungen ergeben.

Fazit:

Geromobil und Lebenskulturhaus Gefell stehen stellvertretend für die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verfolgten Ziele, Alternativen zur stationären Pflege zu entwickeln und bekannt zu machen. Und Menschen damit auch im hohen Alter und bei Einschränkungen ein Leben im vertrauten häuslichen Umfeld zu ermöglichen.

Weitere Informationen

Dokumentation "Fachforum Siebter Altenbericht" in Pasewalk
http://www.kreis-vg.de/index.php?object=tx|2098.1.1&ModID=7&FID=2164.11048.1&NavID=2098.29

Abschlussdokumentation zum Programm "Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen"
Die Dokumentation finden Sie hier

Studie Wirtschaftsuniversität Wien
www.wu.ac.at/npocompetence/social-entrepreneurship-center/forschung/der-soziale-brutkasten-wie-gesellschaftliche-innovationen-besser-gelingen-bedingungen-der-entstehung-umsetzung-und-verbreitung-am-beispiel-des-oesterreichischen-gesundheitssektors