Auch nach zehn Jahren noch Vorbild

Filzstiftgemälde mit drei Sonnen und vielen Herzchen und Blümchen und der Überschrift 10 Jahr Jubiläum.
Foto: Agnes / Stiftung Freilichtmuseum am Kiekeberg

Wohnheim Wennerstorf Vorreiter für Inklusion und Teilhabe

In den Planungen vor mehr als zehn Jahren waren die Gedanken der Einbeziehung von Menschen mit Einschränkungen und Handicaps in das soziale und gesellschaftliche, aber auch in das Arbeitsleben noch keine Selbstverständlichkeit. Die Stiftung Freilichtmuseum am Kiekeberg hat mit der Konzeption und dem Bau des Wohnheims für behinderte Menschen in Wennerstorf seinerzeit Neuland beschritten – und einen Weg gefunden, der in Fragen der Gleichstellung und Gleichberechtigung noch heute Signalwirkung hat. Darauf haben Initiatoren und Förderer anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Projekts hingewiesen, das am 5. August 2018 gefeiert wird.

Begleitet und unterstützt durch die Lebenshilfe wohnen in dem Haus 13 Menschen mit Behinderung in einem familienähnlichen Umfeld. Wie in jeder Familie geht es um das Erleben von Gemeinschaft und Zusammenhalt, aber auch um die Übernahme von Verantwortung und die Möglichkeit, sich zurückziehen und für sich sein zu können. So haben alle Bewohnerinnen und Bewohner ein Einzelzimmer mit persönlicher Ausstattung, nehmen aber auch an den Vorteilen und Vorzügen teil, die eine "Großfamilie" zu bieten hat. Die dörfliche Struktur und die unverwechselbare Umgebung des Freilichtmuseums mit den Angeboten etwa des traditionellen Handwerks bieten hierfür den Rahmen. Sie ermöglichen Verlässlichkeit und das Zutrauen in sich selbst, Solidarität und das Interesse am Mitmenschen und die Perspektive, dort möglichst lange selbstständig leben und wohnen zu können.

Paradigmenwechsel und ein neuer Umgang mit dem Thema Behinderung

Das Wohnheim Wennerstorf steht damit stellvertretend für den Wandel, der in Politik und Gesellschaft in den letzten Jahren und Jahrzehnten beschritten worden ist - von einem durch umfassende Fürsorge gekennzeichneten Ansatz hin zu Mitwirkung, Betonung der Kompetenzen und einem Bild der Unterschiedlichkeit und Individualität jedes Menschen. Architektonisch zeichnet sich das Projekt bis heute durch einen Mut zur Überschaubarkeit aus, der sich von den großen Behinderteneinrichtungen der 1980er- und 90er Jahre abgrenzt und sich auch positiv bei den Kosten auswirkt. Sowohl die Gesamtbaukosten von rund einer Million Euro als auch die Beteiligung des Bundes daran in Höhe von 200.000 Euro können als wirtschaftlich und erfolgreich investiert angesehen werden. Dabei hat das Projekt seinen Weg weiter fortgesetzt und sein Angebot erweitert, etwa durch den Umbau des alten Schafstalls in einen Gemeinschaftsraum, der auch extern zur Verfügung steht und ein wichtiges Bindeglied in das öffentliche Leben ist.

Weitere Informationen

zur Stiftung Freilichtmuseum am Kiekeberg
www.kiekeberg-museum.de

zur Lebenshilfe Lüneburg-Harburg
www.lhlh.eu

Nähere Einzelheiten zum Projekt finden Sie auf der Projektseite.