„Genau das, was gebraucht wird.“

Villa Emma Bonn in der Fortsetzung der Interviewreihe zu Erfolgen und Herausforderungen eines Wohnprojekts

Menschen mit und ohne Behinderung in einem innovativen Wohnprojekt ein Zuhause zu geben und Möglichkeiten der Teilhabe und des Miteinanders zu eröffnen: Diesem auch heute noch nicht selbstverständlichen Ziel widmet sich das Projekt Villa Emma in Bonn. Zuhause im Alter sprach mit Mitgliedern des Vorstands über die Gründung und den bisherigen Weg und darüber, was zum Gelingen eines Projekts beitragen kann.

Zuhause im Alter: Auch wenn es schon einige Jahre her ist: Erinnern Sie sich noch an die Beweggründe für das Projekt?

Oh ja! Villa Emma entstand aus den Aufbauerfahrungen unseres Partnerprojekts der Amaryllis eG. Uns erreichten sehr viele Anfragen von Menschen mit Einschränkungen oder Behinderungen, die ebenfalls gemeinschaftlich wohnen wollten. Aber eben in einer Gemeinschaft in eigener Wohnung und gemischt in jeder Hinsicht: alt, jung, krank, gesund, behindert, nichtbehindert, mit oder ohne Wohnberechtigungsschein, mit Zugriff auf Unterstützung und vielem mehr. Das war das Neue.

Zuhause im Alter: Gab es Startschwierigkeiten, oder andererseits Punkte, die Sie in der Entstehung des Projekts positiv überrascht haben?

Nach den Erfahrungen, die wir mit unserem Partnerprojekt gesammelt hatten, war der Start von Villa Emma leichter. Wir konnten auf unsere Expertise verweisen, hatten dieselben Finanzierungsfachleute und Architekten zur Seite. Zeitgleich mit dem Planungsstart von Villa Emma 2009 richtete die Stadt Bonn eine Projektstelle Neue Wohnformen im Amt für Soziales und Wohnen ein. Das war hilfreich. Der Leiter des Amtes war sehr unterstützend, was letztlich in der Vergabe eines Zuschusses auf Grund der Verteilung in fünf öffentlich geförderte und sechs freifinanzierte Wohnungen mündete. Als "Türöffner" hat sich dabei die frühe Förderung durch das BMFSFJ im Rahmen des aufgelegten Modellprogramms herausgestellt. Kurz danach war ein Förderantrag beim Land NRW, Experimenteller Wohnungsbau, erfolgreich. Dieser Rückenwind hat uns als Gründergruppe beflügelt und das Vertrauen von Behörden, Politik bis hin zu Banken in unser Vorhaben gestärkt.

Zuhause im Alter: Wenn Sie sich die bisherigen Jahre des Projekts anschauen: Was funktioniert aus Ihrer Sicht besonders gut?

Das Zusammenleben von jungen und alten Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf in Villa Emma funktioniert sehr gut! Es hat sich über die bisherigen sieben Jahre eine schöne, aufeinander achtende kleine Hausgemeinschaft entwickelt und das bei sehr verschiedenen Menschen. Wir können feststellen, dass etwa die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner ohne Villa Emma mit all ihren Möglichkeiten längst in eine stationäre Pflegeeinrichtung hätte umziehen müssen. Ein Hausarzt und ein Krankenhaus-Neurologe fassten es so zusammen: "Villa Emma ist genau das, was gebraucht wird und was es viel öfter geben müsste! In solch eine häusliche Wohnsituation können wir auch schwerkranke und eingeschränkte alleinlebende Menschen mit gutem Gefühl, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt, entlassen."

Zuhause im Alter: Gibt es Themen, die sich als besondere Herausforderung für den Alltag eines Projekts herausgestellt haben?

Die Villa Emma Genossenschaft wird von uns als GründerInnen von Beginn an ehrenamtlich in Vorstand und Aufsichtsrat geführt. Über kurz oder lang stellt sich die Frage: Wer übernimmt das? Finden wir weiterhin qualifizierte Menschen, die in ihrer Freizeit mit Fachkompetenz und Pionierengagement unsere Arbeit fortführen? Das beschäftigt uns.

Zuhause im Alter: Wenn Sie eine Empfehlung oder einen Rat an andere Gruppen haben, die ebenfalls ein solches Projekt planen: Welcher wäre das?

Nötig sind: Ausdauer, Wagemut, Vertrauen, Kompetenzen, Freude. Andere Projekte anschauen und davon lernen, sich an Förderprogrammen beteiligen, mit der Kommune reden und klar machen, was die Projektgruppe braucht. Keine Angst vor Fehlern haben.

Zuhause im Alter: Danke für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft.

Hinweis: Das Interview dient ausschließlich Informationszwecken. Es ist keine Präferenz für oder gegen eine bestimmte Projektform. Die Meinungen der Interviewpartner spiegeln nicht automatisch diejenigen der Redaktion wider.