Ziele auf unterschiedlichen Wegen erreicht

Abkratzen alter Tapete und Farbe.
Foto: Mietergenossenschaft SelbstBau eG

Fortsetzung der Interviewreihe zum Mehrgenerationenwohnen mit der Wohngemeinschaft Werkpalast

Die Sanierung und Umwandlung einer stillgelegten, nicht mehr nutzbaren Kindertagesstätte in ein Wohnprojekt für Jung und Alt, und dies zu bezahlbaren Mieten – dieses Ziel verfolgten engagierte Mitglieder eines genossenschaftlich organisierten Projekts im Ostberliner Stadtteil Lichtenberg. Zuhause im Alter sprach mit Berit Petzsch, Bewohnerin der ersten Stunde des als "Werkpalast" bezeichneten Hauses zu den Beweggründen, den alltäglichen Herausforderungen, aber auch zu den Möglichkeiten der Teilhabe, die ein solches Projekt eröffnet.

Zuhause im Alter: Auch wenn es schon einige Jahre her ist: Erinnern Sie sich noch an die Beweggründe für das Projekt?

Wohngemeinschaft Werkpalast: Wir kannten das Projekt von Beginn an, aus dem Freundeskreis. Zunächst hatten wir uns nicht so sehr damit beschäftigt, aber unsere Begeisterung für das Haus entwickelte sich, als der Prozess der Gruppenfindung begann und wir uns ernsthaft mit der Idee auseinandersetzten. Uns gefiel die Gedanke, aus dieser baufälligen Kita ein Mehrgenerationenwohnhaus mit großem Garten und Gemeinschaftsflächen zu errichten. Außerdem waren die finanziellen Konditionen für uns realisierbar.

Zuhause im Alter: Gab es Startschwierigkeiten, oder andererseits Punkte, die Sie in der Entstehung des Projekts positiv überrascht haben?

Wohngemeinschaft Werkpalast: Zu Beginn gab es noch die Idee, eine eigene Genossenschaft zu gründen und in einer kleineren Gruppe ließen wir uns über diese Möglichkeit beraten. Letztendlich war es aus meiner Sicht ein Glücksfall, dass die Genossenschaft SelbstBau in das Projekt eingestiegen ist, weil wir in Eigenregie mehr Hürden und wahrscheinlich auch mehr Kosten gehabt hätten. Vielleicht wäre es auch gescheitert. Positiv hat mich überrascht, wie sich der Kennenlernprozess der interessierten Gruppe gestaltet hat. Es gab regelmäßige Treffen, auf denen nicht nur ein Austausch stattfand, sondern auch erste Entscheidungen fielen. Die Möglichkeit als "Selbstbauer/in" tätig zu werden, war nicht nur ein finanzieller Anreiz sondern eine Erfahrung, die sich für die Bindung an das Projekt positiv auswirkte.

Zuhause im Alter: Wenn Sie sich die bisherigen Jahre des Projekts anschauen: Was funktioniert aus Ihrer Sicht besonders gut?

Wohngemeinschaft Werkpalast: Aus meiner Sicht das Gemeinschaftsleben, auch nach über sieben Jahren noch. Zum Beispiel finden regelmäßig Haustreffen statt, an denen sich die große Mehrheit beteiligt, es gibt alljährlich ein großes Sommerfest. Die Haustreffen werden abwechselnd moderiert und protokolliert, wodurch die Verantwortung wechselt. Garteneinsätze werden mit gemeinsamen Mittagessen verbunden. Trotzdem unterliegt man keinem Zwang, man kann sich auch mal zurückziehen. Gut funktioniert der Zusammenhalt verbunden mit Hilfsbereitschaft: Unterstützung bei Kinderbetreuung, Besorgungen, handwerkliche Hilfen. Wie wir Entscheidungen treffen, ist ein gemeinsamer Diskurs und Prozess, der auch neu verhandelt werden kann. Für die Kinder ist es hier wie im "Paradies", sie haben nicht nur einen großen Garten sondern auch viele Freunde im Haus.

Zuhause im Alter: Gibt es Themen, die sich als besondere Herausforderung für den Alltag eines Projekts herausgestellt haben?

Wohngemeinschaft Werkpalast: Kein alltägliches Thema, aber eins das bei uns im Haus in den letzten Jahren auftauchte, war die Frage, wie wir als Hausgemeinschaft bei einer Neuvermietung abstimmen. Hierzu fanden Treffen und Diskussionsrunden statt, wie wir vorgehen und entscheiden wollen. Es wurde letztendlich auch ein Weg gefunden, der sich als praktikabel und zufriedenstellend herausstellte. Denn das Leben in einem Hausprojekt erfordert im Alltag die Bereitschaft, einen Teil seiner Freizeit für Haustreffen, Garteneinsätze und anderes aufzubringen. Ich sehe das aber eher positiv, da man gemeinsam viel mehr Sachen erreicht. Eine Herausforderung bleibt, dass wir über die Zeit nicht das Interesse und die Lust an unserem Gemeinschaftsleben verlieren, sondern bei Problemen diese ansprechen und gemeinsam Lösungen finden, die nicht zu persönlichen Unstimmigkeiten oder Ärgernis führen.

Zuhause im Alter: Wenn Sie eine Empfehlung oder einen Rat an andere Gruppen haben, die ebenfalls ein solches Projekt planen: Welcher wäre das?

Wohngemeinschaft Werkpalast: Es ist aus meiner Sicht hilfreich, sich entweder bereits bestehenden Projekten anzuschließen oder sich wenigstens Wissen und Erfahrungen aus anderen Projekten zu holen. Gerade bei Fragen zu den Themen Finanzen, Recht und anderen kann es schnell eine Gruppe überfordern bzw. zersplittern. Ich denke, es ist auch wichtig, dass man von Anfang an regelmäßige Treffen organisiert. Sicher wird es immer unterschiedliche Beteiligungsquoten geben, aber letztendlich lebt ein Projekt von den Ideen und Aktivitäten der Gruppe.

Zuhause im Alter: Danke für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft.

Hinweis: Das Interview dient ausschließlich Informationszwecken. Es ist keine Präferenz für oder gegen eine bestimmte Projektform. Die Meinungen der Interviewpartner spiegeln nicht automatisch diejenigen der Redaktion wider.