Seit Jahrzehnten: Gelungene Verbindung von Wohnen und Pflege

Projekt in Koblenz bis heute mit Anregungen für moderne Wohn- und Pflegeangebote im Alter

1993 starteten mit einer Förderung des damaligen Bundesministeriums für Familie und Senioren die Arbeiten zur Modernisierung des Alten- und Pflegeheims Sankt Elisabeth in Koblenz-Arenberg. "Zuhause im Alter" sprach mit dem Vorsitzenden der Arenberger Caritasvereinigung, Herrn Prof. Dr. Jürgen Held, über das Projekt und seine Entwicklungen und das, was das Vorhaben bis heute auszeichnet. 

Prof. Dr. Jürgen Held, Jahrgang 1956, ist Jurist. Er war Richter und Hochschullehrer und ist seit 2025 Vorsitzender der Arenberger Caritasvereinigung e. V. in Koblenz.

Interview mit Prof. Dr. Jürgen Held

Zuhause im Alter: Herr Professor Held, vor mehr als 30 Jahren hat der Bund für die Erweiterung und Ergänzung des Caritashauses Sankt Elisabeth in Koblenz-Arenberg seinen Zuwendungsbescheid erteilt. Die offizielle Zweckbindungspflicht ist nunmehr abgelaufen, das Projekt ist in dieser Hinsicht "frei". Was geht Ihnen durch den Kopf?

Prof. Dr. Jürgen Held: Die Arenberger Caritasvereinigung e. V. ist dankbar für die vielfältige Unterstützung, die es in den 1990er-Jahren möglich gemacht hat, die in unserem Altbau vorhandenen Räumlichkeiten zu einem modernen Alten- und Pflegeheim weiterzuentwickeln. So konnte eine Einrichtung entstehen, die nicht nur ein Wohnen in hellen und großzügigen Einzelzimmern ermöglicht, sondern auch die übrigen Bedürfnisse des Alltags unter einem Dach abdeckt, sei es durch das – auch für die Allgemeinheit offene – Restaurant, das Café oder den Friseursalon, bis hin zur neuen Hauskapelle. Wichtig war dabei auch die Neuausrichtung hin zu einer "integrierten Altenhilfe" in kleineren Wohngemeinschaften mit Bewohnerinnen und Bewohnern unterschiedlichen Pflegebedarfs.

Die Modernität dieses Konzepts hat sicher dazu beigetragen, dass es vom seinerzeitigen Bundesministerium für Familie und Senioren als fachlich beispielgebendes Modellprojekt anerkannt worden ist. Im Kern geht es um die gelungene Verbindung von Alt- und Neubau und die Umsetzung des Konzepts kleiner Wohneinheiten.

Zuhause im Alter: Was bis heute eine hohe Bedeutung hat. Ein Blick ins Internet zeigt zudem: Ein imposantes altes Gebäude.

Prof. Dr. Jürgen Held: In der Tat, das Caritashaus blickt auf eine über 115-jährige, bewegte Geschichte zurück. Bevor es zum beliebten Alten- und Altenpflegeheim in der Region Koblenz wurde, kam ihm am Anfang sogar eine überregionale Bedeutung als Lehranstalt für die Ausbildung von Landkrankenschwestern zu, wie es damals hieß.

Die Idee hierzu hatte der Landpfarrer Matthias Kinn im 19. Jahrhundert, als er die mangelhafte Versorgung kranker und bedürftiger Menschen auf dem Land erlebte. Ihm schwebte vor, in jeder Gemeinde die Betreuung und Pflege der notleidenden Menschen zu verbessern. Hierzu gründete er einen Krankenbesuchsverein und übernahm die Ausbildung der "Krankenbesucherinnen". Zum überregional bekannten "Begründer der Dorfcaritas" wurde der spätere Monsignore Matthias Kinn in seiner Funktion als Rektor des Klosters der Dominikanerinnen in Koblenz-Arenberg. Hier wurde 1906 die "Caritasvereinigung für Landkrankenpflege und Volkswohl" gegründet und 1910 das Caritashaus Sankt Elisabeth als neue Ausbildungsstätte der Landkrankenpflegerinnen.

Zuhause im Alter: Klingt nach einem allmählichen und stetigen Übergang in das Thema Pflege…

Prof. Dr. Jürgen Held: Das Caritashaus entwickelte und ermöglichte von Anfang an auch ein pflegerisches Angebot, zunächst in Form von Erholungskursen für tuberkulosegefährdete Kinder während der Sommermonate. In den 1960er-Jahren wurden dann erstmals zwei neue Gebäude für ein stationäres Alten- und Pflegeheim mit insgesamt 35 Plätzen geschaffen. Sie wurden durch die Umnutzung von Räumen im Altbau ergänzt, nachdem die Ausbildung der Krankenschwestern in staatliche Regie übergegangen war. Diese Anfänge des Altenheims genügten Ende der 1980er-Jahre aber nicht mehr den modernen Anforderungen an eine Altenhilfe-Einrichtung. So kam es zu der Neukonzeption des Hauses und zu den geförderten Baumaßnahmen – vor nunmehr rund 30 Jahren.

Zuhause im Alter: Trotz des Ablaufs der offiziellen Zweckbindung: Wir hoffen, das Caritashaus bleibt auch weiterhin bestehen. Was wünschen Sie ihm für die Zukunft?

Prof. Dr. Jürgen Held: Ja natürlich wünsche ich mir eine noch lange Zukunft für unser Caritashaus Sankt Elisabeth.

Wie bereits in den vergangenen Jahrzehnten, verlangt dies auch in Zukunft eine fortlaufende Anpassung an neue Anforderungen der Altenpflege und einen verantwortlichen Umgang mit den wirtschaftlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen. In letzterer Hinsicht hat sich gezeigt, dass die Führung eines Unternehmens von der Größenordnung unseres Caritashauses in der Form eines solitären eingetragenen Vereins nicht mehr zeitgemäß ist, weshalb wir uns für eine Kooperation mit einem größeren Träger entschieden haben.

Zuhause im Alter: Interessant. Sehen Sie die Möglichkeit einer Kontinuität?

Prof. Dr. Jürgen Held: Ja, da bin ich zuversichtlich. Die von uns gefundene Lösung führt die Ideen des Gründers des Caritashauses fort. Weil es sich bei dem neuen Partner, der gemeinnützigen Sankt Raphael Caritas Alten- und Behindertenhilfe GmbH, um eine 100-prozentige Tochter des Caritasverbands für die Diözese Trier e. V. handelt, hat die inhaltliche Ausrichtung unseres Hauses an den Werten der Caritas weiterhin Bestand. Wie zu den Anfängen vor mehr als 100 Jahren: Mitmenschlichkeit und Solidarität prägen nach wie vor das Selbstverständnis unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie der Caritas insgesamt. Diese Ideen sind es, die auch ein vielfältiges ehrenamtliches Engagement hervorrufen und fördern - im Interesse und zum Wohl der Menschen, die hier leben und wohnen und auch bei Pflegebedarf ein Zuhause finden.

Zuhause im Alter: Herr Professor Held, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen dem Caritashaus Sankt Elisabeth und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern weiterhin alles Gute.

Weitere Informationen

zum Caritashaus Sankt Elisabeth in Koblenz-Arenberg:
www.st-raphael-cab.de/seniorendienste/st-elisabeth-arenberg/st-elisabeth-arenberg

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