"Der Saal ist nicht zum Schlafen da."

Fachtagung beleuchtet Projekte an der Schnitstelle von Gemeinschaft, Wohnen und Pflege

Am 5. November 2019 versammelten sich in Berlin rund 100 Teilnehmende zur gemeinsamen Abschlusstagung von zwei Bundesprogrammen, die neue Formen des gemeinschaftlichen und häuslichen Wohnens in den Blick genommen und dabei auch sondiert haben, wie Angebote der Pflege und der Entlastung von Angehörigen eingebunden werden können.
 
Initiiert hat die Programme „Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben“ und „Häusliches Wohnen stärken – Pflegende Angehörige entlasten“ das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Dessen Abteilungsleiter Prof. Dr. Matthias von Schwanenflügel dankte in seiner Begrüßung den teilnehmenden Projekten. In Zeiten des demografischen Wandels komme es umso mehr darauf an, moderne Formen des Wohnens zu entwickeln, die auch ambulante pflegerische Angebote einbeziehen und Möglichkeiten für einen langfristigen Verbleib älter Menschen in „ihrem“ Wohnquartier aufzeigen.
 
Die Fachtagung machte unter anderem die hohe Bedeutung von Städten und Gemeinden für die Erprobung alternativer Wohnformen deutlich, etwa wenn es um das sog. Konzeptverfahren geht, in dem kommunale Grundstücke nicht gegen den Höchstpreis, sondern unter Einbeziehung sozialer und öffentlicher Belange vergeben werden. Hierdurch können zum Beispiel auch Vereine, Genossenschaften oder andere Organisationen aus dem nicht gewinnorientierten Bereich zum Zuge kommen.
 
Dr. Josef Bura, Vorsitzender der Bundesvereinigung des Forums Gemeinschaftliches Wohnen verwies auf den nicht einfachen Weg vieler Projekte. Gerade in der wichtigen Phase des Starts und der Konstituierung sei ein erhebliches Maß an Begleitung und Beratung vonnöten. Die Leiterin des zuständigen Fachreferats im Bundesfamilienministerium Dr. Barbara Hoffmann richtete in ihrem Schlusswort den Blick zugleich nach vorn. Es komme jetzt darauf an, die Erkenntnisse zu sichern, zu verbreiten und entsprechende Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Auch sei eine Dokumentation mit den Tagungsergebnissen geplant. Ein wichtiger Schritt sei es aus Sicht des Ministeriums, dass es gelungen sei, das Programm der KFW „Altersgerecht umbauen“ fortzusetzen und im dortigen Förderbaustein zu Mehrgenerationenwohnen und Gemeinschaftsräumen erstmals auch die Möglichkeit für Pflegeangebote zu verankern.
 
Der Wunsch des bisher unbekannten Gastes des Berliner Projekts „Prima Bude“ steht stellvertretend für diese Entwicklungen. Der mit der Förderung entstandene Mehrzweck- und Gemeinschaftsraum sei nicht zum Schlafen gedacht, lautete die richtige Analyse des Gastes auf einem hinterlassenen Zettel. Dies verstehen alle Beteiligten als Bestätigung – und weiteren Ansporn.

 

Weitere Informationen

Projektübersicht der Programme „Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben“ und „Häusliches wohnen stärken – Pflegende Angehörige entlasten“
www.fgw-ev.de
 
Publikation „Inklusive Räume gemeinsam planen“ des Projekts Prima Bude
Zum Öffnen der PDF-DATEI (3,3 KB) klicken Sie bitte hier
 
Programm „Altersgerecht umbauen“ der KFW
https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilien/Finanzierungsangebote/Altersgerecht-umbauen-(159)/index-2.html