Förderzeitraum beendet

Altenpflegeheim Windberg, Mönchengladbach

Zukunftsweisende Architektur und Betreuung für Demenzkranke

Das Projekt

  • Wohnhaus mit gerontopsychiatrischer Betreuung
  • kleine Wohngruppen
  • Lebensalltag mit wenig Heimcharakter
  • beispielgebende Ausstattung
  • Aktivitätenbegleitung
  • Sinnesgarten
  • Teilnahme am Stadtteilleben engagierte Nachbarn

Der Standort

Marienburger Straße 39
41063 Mönchengladbach
Nordrhein-Westfalen
www.sozial-holding.de

Nutzungskonzept

Gerontopsychiatrisches Wohngruppenhaus

Das Altenpflegeheim Windberg bietet 80 Plätze in der stationären Pflege mit gerontopsychiatrischem Schwerpunkt an. Zum Konzept des Hauses gehören homogene, für die Bewohnerinnen und Bewohner überschaubare Wohneinheiten: "Je kleiner die Gruppe, desto enger ist der persönliche Bezug." (Helmut Wallrafen–Dreisow, Geschäftsführer der Sozial–Holding). Das Leben in diesem Haus soll den Bedürfnissen alter Menschen nach Kleinräumigkeit, Vertrautheit, Kommunikation, Aktivität und menschlicher Nähe entsprechen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch Bewohnerinnen und Bewohner wurden in die Gestaltung des Neubaus vorbildlich einbezogen.

Beziehungspflege statt Funktionspflege

Mit der Orientierung am Alltag und dem integrierten Arbeiten von Pflege, Betreuung und Hauswirtschaftwird ein innovatives Betreuungs– und Pflegekonzept verfolgt. Durch eine überprüfende Arbeitsorganisation im Pflegebereich werden in Präsenz und Betreuung Ressourcen frei, mit denen die "Aktivitätenbegleitung" gestärkt werden kann. Die Lebensgestaltung der Bewohnerinnen und Bewohner soll möglichst frei sein von heimtypischen Organisationsstrukturen. Nicht Pflegetätigkeiten sollen den Tagesablauf dominieren, sondern vertraute alltägliche und hauswirtschaftliche Aufgaben, in die die Bewohnerinnen und Bewohner so weit wie möglich einbezogen werden.

Ein Garten für die Sinne

Der dementengerecht gestaltete Sinnes– und Therapiegarten ist als geschützter und zugleich offener Raum angelegt und macht Natur, Licht und Luft im Alltag erlebbar. Er wird als fester Bestandteil des Betreuungskonzeptes im Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses verstanden. Der Garten soll mit seinen Farben, Düften, Materialien und Elementen als ganzheitlicher Snoezel–Raum alle Sinne seiner Besucher und seiner Betrachter stimulieren. Zwischen den Wohnflügeln gelegen und von den Fenstern aus sichtbar, wird der Garten zum zentralen Ort der Begegnung. Sowohl hochgradig weglaufgefährdete als auch wenig mobile Bewohnerinnen und Bewohner können sich dort leicht und sicher bewegen und ihren Aufenthalt im Freien alleine oder in der Gruppe mit allen Sinnen genießen.

Teilnahme am Stadtteilleben

Eine gute alten– und behindertengerechte Anbindung des Neubaus in den Stadtteil ermöglicht es den Bewohnerinnen und Bewohnern, am Leben der Umgebung teilzunehmen. Geschäfte, Apotheken, Ärzte und anderes sind fußläufig erreichbar, eine Bushaltestelle ist direkt vor dem Haus. Besonders rege und innovativ ist der Kontakt zum benachbarten Kleingärtnerverein.

Architektur

Die architektonische Gestaltung ist auf die besonderen Bedürfnisse von gerontopsychiatrisch veränderten Bewohnerinnen und Bewohnern ausgerichtet:

Ein H-förmiges Gebäude

Der Neubau ist Ersatz für ein bestehendes Altenheim aus dem Jahr 1967. Er gliedert sich in vier "Wohngruppenflügel", die durch einen zentralen, öffentlichen Bereich verbunden sind. Durch die H-Form des Gebäudes entstehen zwei geschützte Hofbereiche. Der Gebäudekomplex ist zweigeschossig und im mittleren Bereich teilunterkellert. Damit gibt es insgesamt acht Wohngruppen.

Untergeschoss: Küchenbereich, Waschküche, Lagerräume, Haustechnik, Hausmeister, Personal-Umkleiden, Anlieferung

Erdgeschoss: Eingangsbereich, Verwaltungsbereich, Cafeteria, Besuchertoiletten, vier Wohngruppen

Obergeschoss: vier Wohngruppen, Verwaltungsräume, zwei Therapiebereiche, Besuchertoiletten

Überschaubarkeit und Transparenz der Wohngruppen

Für die Bewohnerinnen und Bewohner stehen überschaubare Wohneinheiten zur Verfügung. Zu einer Wohngruppe gehören zehn Einzelzimmer (mit je 17 Quadratmetern inklusive Vorraum), alle haben einen eigenen Sanitärbereich (5 Quadratmeter). Die Zimmer können mit vertrauten Gegenständen selbst möbliert werden. Zentraler Wohn- und Lebensbereich einer Wohngruppe ist die Wohnküche. Hier finden alle gemeinsamen Aktivitäten statt. Ein zusätzliches Wohnzimmer an der Stirnseite jedes Gebäudeflügels ist Rückzugsraum für Einzelne oder kleine Gruppen — mit Blick in den Garten. Zwei Wohngruppen bilden einen Pflegebereich, zu dem Dienstzimmer, Pflegebad, Pflegearbeitsraum, Ausgussräume, Besucher- und Personaltoiletten, Putzkammer und Abstellräume gehören. Die gemeinsame Zuordnung der Pflegearbeitsräume und des Pflegebades zu jeweils zwei Wohngruppen gewährleistet eine effektive und wirtschaftliche Nutzung. Arbeitsorganisatorisch können auf einem Geschoss zwei beziehungsweise vier Wohngruppen zusammengefasst werden, sodass ein effizienter Personaleinsatz möglich ist.

Innenarchitektur unterstützt Lebensalltag für Demenzkranke

Die besondere innenarchitektonische Gestaltung hilft Bewohnerinnen und Bewohnern mit Demenz, einen weitgehend normalen Wohnalltag und ein möglichst selbstständiges Leben zu führen. Bei der Gestaltung wurde auf Strukturierung und Orientierung, auf Wohnlichkeit und Vertrautheit, auf Kommunikation und Sicherheit geachtet. Beispielsweise wird durch Farben und Materialien eine unverwechselbare Struktur und Wiedererkennung für jede einzelne Wohngruppe erreicht. Im Innenbereich werden Wahrnehmungsformen wie Wald, Wiese, Berg und See in die Gestaltung aufgenommen.

Mitten in einer Grünanlage und engagierte Nachbarn

Aus allen Zimmern hat man Ausblick in die Gartenanlagen. Die niedrigen Fensterbrüstungen erlauben den Ausblick auch im Liegen. Im vielfältig gestalteten Sinnesgarten finden sich auf Sonnen- wie Schattenterrassen, im Gartenhof, im Waldbereich, im Hausgarten verschiedenste Aufenthalts- und Aktivitätsbereiche, ruhige und kommunikative Plätze. Ein gemeinschaftlicher "Freisitz" im Innenhof ist der Cafeteria vorgelagert. Ein Weg führt direkt in die benachbarte Kleingartenanlage, deren Hauptweg auf Initiative der Kleingärtner behindertengerecht gepflastert wurde. Die Seniorinnen und Senioren haben dort einen eigenen Garten mit behindertengerechten Hochbeeten, den das Altenpflegeheim gepachtet hat und den die Kleingärtner weiterhin gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern pflegen. Die Kleingärtner gewannen für dieses vorbildliche Projekt zur Integration von Altenheimbewohnern eine Goldmedaille beim Bundeswettbewerb "Gärten im Städtebau".

Fazit

Die Realisierung einer bedürfnisgerechten Architektur, Inneneinrichtung und Außengestaltung für Demenzkranke ist beispielgebend und innovativ. Natürliche und sinnesorientierte Faktoren wurden vorbildlich integriert.

Projektdetails

Träger

Sozial–Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH
Königstraße 151
41236 Mönchengladbach

Architekt

dmp Gesellschaft für Bauplanung mbH & Co. KG
Richard–Wagner–Straße 88–90
41065 Mönchengladbach

Innenarchitektin

Dörte Moll
Jülicher Straße 16
40477 Düsseldorf

Landschaftsarchitekt

Lothar Jägersküpper, BDLA
Hannes–Schufen–Straße 56
41066 Mönchengladbach

Fertigstellung

Ende 2003

Gesamtkosten

9.900.000 Euro

Förderung BMFSFJ

1.270.000 Euro

Fläche

3.998 Quadratmeter Nettogrundfläche insgesamt
50 Quadratmeter Nettogrundfläche pro Platz

Plätze

80 stationäre Pflegeplätze verteilt auf acht Wohngruppen

Zusätzliche Angebote im Verbund mit den anderen Einrichtungen des Trägers

Tagespflege
Kurzzeitpflege
Dienstleistungs– und Beratungszentrum
ambulante Angebote wie mobiler sozialer Dienst
Essen auf Rädern