Hochwasser- und Denkmalschutz mit Wohnen verbinden

Genossenschaftsprojekt in Magdeburg mit anspruchsvollen Zielen

Thematisierten wir in unserem Beitrag vom 7. Mai 2018 die Integration einer generationenübergreifenden Anlauf- und Begegnungsstätte in eine denkmalgeschützte Burganlage, richten wir heute den Blick auf ein Projekt, bei dem noch eine weitere Komponente hinzukommt: der Hochwasserschutz. Die Rede ist von dem genossenschaftlich organisierten Projekt Vitopia in Magdeburg. Nur wenige Meter von der Elbe entfernt ist hier ein Wohnprojekt in Planung, das die Chancen, aber auch die Schwierigkeiten eines direkt an der Deichanlage liegenden Bauvorhabens miterlebt. Genossenschaftsvorstand Jörg Dahlke: "Als wir die Genossenschaft 2009 gründeten, standen ökologische und soziale Aspekte und natürlich auch diese wunderbare Kulturlandschaft im Mittelpunkt. Dies ist auch heute noch so, jedoch erschwerten sich mit dem Elbhochwasser 2013 die Rahmenbedingungen deutlich." Bis zur Türklinke habe im Erdgeschoss das Wasser in dem 1926 errichteten Gebäude gestanden.

Das Grundstück der Genossenschaft grenzt auf einer Länge von circa 40 Metern direkt an den Hochwasserschutzdeich. Durch die Arbeiten zur Stabilisierung und Ertüchtigung des Deichs werden auch Erschütterungen hervorgerufen, die womöglich nicht ganz ohne Folgen für die Beschaffenheit und Standsicherheit der angrenzenden Gebäude, auch der Genossenschaft, bleiben. Es gilt, eine Abgrenzung vorzunehmen zu Schäden, die eventuell schon vorher da waren. Genossenschaftsvorstand Jörg Dahlke: "Unter anderen wurden ein Rissmonitoring und Schwingungstests durchgeführt. Unsere Gebäude sind mit Schwingungssensoren versehen, um bei möglichen Grenzwertüberschreitungen, das heißt zu starken Erschütterungen, die Bauaktivitäten am Deich zu unterbrechen. Die Deicharbeiten können im Frühjahr 2019 erfolgreich abgeschlossen werden, vor kurzem wurden die Spundwandelemente direkt vor unserem Grundstück eingepresst".

Das Fazit der Genossenschaft: Letztlich bleibe für den Bauherrn ein Restrisiko bestehen, dies sei aber der Lage geschuldet und mit großer Wahrscheinlichkeit nicht vermeidbar. Der Zielkonflikt aus Gebäude-, Denkmal- und Hochwasserschutz müsse in jedem Einzelfall geprüft und ein Lösungskonzept aufgezeigt werden. Hieran wirken auch die beteiligten Behörden mit – im Fall von Vitopia nicht zuletzt der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft als kompetenter und konstruktiver Partner.

Das Projekt der Vitopia Genossenschaft Magdeburg gehört zu dem Programm "Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben", mit dem das Bundesfamilienministerium den oft schwierigen Weg selbstorganisierter und alternativer Wohnprojekte von der Idee bis zur Realisierung aufzeigen und anschaulich machen will.

Weitere Informationen

Schutz und Vorsorge – Hochwasserschutzfibel des Bundesumweltministeriums:
www.bmu.de/themen/bauen/bauwesen/gesetzgebung-und-leitfaeden/leitfaeden/hochwasserschutzfibel

zum Programm „Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben“:
www.wohnprogramm.fgw-ev.de

zur Genossenschaft Vitopia:
www.vitopia.de