Förderzeitraum beendet

Seniorenzentrum Viertes Viertel, Güstrow

Architektur und Technik der Zukunft — Neue Wege der häuslichen und stationären Pflege

Das Projekt

Straßenansicht. Link öffnet das Bild vergrößert in einer Lightbox mit Bildergalerie.
  • Funktionelles Gebäudekonzept unter Berücksichtigung städtebaulicher Vorgaben
  • zentrale Stadtlage mit kleinem Park und optimaler Gebäudeausrichtung
  • Einbindung in ein Versorgungs-Gesamtkonzept
  • Verknüpfen von Wohnen, Pflege und Betreuung unter Bewohnerteilhabe
  • gelungene Verbindung von Gemeinschafts- und Individualbereichen, seniorengerechte Küchentechnik, Erlebnisbad
  • Pflege an der Schnittstelle von ambulant und stationär
  • Entbürokratisierung durch direkte Datenerfassung, Ablaufoptimierung durch Dateneingabe in Bewohnernähe
  • kurze Wege für Personal und Bewohner
  • technische Vorbereitung zur variablen, individuellen Zimmergestaltung
  • vorbildlicher Datenaustausch mit Kostenträgern und Lieferanten
  • zentrales Warenmanagement
  • hohe ökologische Standards, Solarenergie- und Regenwassernutzung
  • zentral gesteuerte Zimmerheizung, Kopplung von Lüftung und Heizung
  • Facilitymanagement

Der Standort

Hollstraße
18273 Güstrow
Mecklenburg-Vorpommern
www.drk-guestrow.de/angebote/senioren/seniorenheime/hausgemeinschaft-guestrow.html

Was es bietet

Das Seniorenzentrum "Viertes Viertel" bietet inmitten der Kreisstadt Güstrow in einem Wohnviertel des Altstadtzentrums bewährte und neue Wohn- und Lebensangebote der Altenhilfe.

Die einzelnen Bauvorhaben des Versorgungs-Gesamtkonzeptes erfüllen die städtebaulichen Bedingungen im Sanierungsgebiet, unter anderem durch eine ansprechende Fassadengestaltung, ohne dabei Einschränkungen in der Funktionalität zu erliegen. So bieten sie älteren Menschen die Chance, zwischen dem Markt (mit den zentralen Angeboten Rathaus, Kirche, Apotheken, Geschäften, Kaffees, Gaststätten, Theater und so weiter) und einem Park (ein geschützter und sonniger Hof an der Stadtmauer) zu leben. Sowohl der offene architektonische, wie auch der konzeptionelle Ansatz nutzt vorteilhaft die zentrale Lage und bietet den Bewohnerinnen und Bewohnern beste Möglichkeiten, die sozialen Kontakte untereinander und zum bisherigen Wohnumfeld zu erhalten.

Das Seniorenzentrum umfasst folgende Angebote:

  • das Pflegeheim mit 4 Hausgemeinschaften für je 11 Bewohnerinnen und Bewohner
  • das Gemeinschaftshaus mit einer Begegnungsstätte, ausgelegt für circa 50 Personen, und einer Tagespflege mit 15 Plätzen
  • 30 betreute Seniorenwohnungen für 33 Bewohnerinnen und Bewohner in 3 Häusern

Alle Einrichtungen gruppieren sich, begrenzt durch die Häuserreihen von vier Straßen, um den zentralen, geschützten Innenhof, der bei Bedarf für Ruhe und Abschirmung sorgt. Die Hausgemeinschaft "Am Markt" befindet sich zentral in der Hollstraße 19. Vier Hausgemeinschaften vereint dieses neue Gebäude unter einem Dach. Seine Bewohnerinnen und Bewohner leben in kleinen, familienähnlichen Gruppen im engen Kontakt zu ihren Bezugspersonen. Pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren sollen hier Geborgenheit und Normalität ähnlich wie in einer Familie erfahren.

Die Hausgemeinschaften im Stadtzentrum verkörpern quartiersbezogene Wohn- und Betreuungsangebote. Sie gewährleisten einen hohen Wohn- und Pflegekomfort, ein weiterer Umzug wird nicht notwendig. Die räumliche Struktur des Hauses lässt verschiedene Lebens- und Wohnkonzepte zu, durchaus auch jeweils unterschiedliche parallel, worin der Modellcharakter der Einrichtung in besonderem Maße zu Tragen kommt.

Das Gemeinschaftshaus für Seniorinnen und Senioren wird ein noch zu sanierendes Gebäude im Bestand der Langen Straße 41 werden. Es nimmt im Obergeschoss eine architektonisch anspruchsvoll gestaltete Begegnungsstätte für die Mieterschaft des Betreuten Wohnens auf. Sie soll aber ebenso Seniorinnen und Senioren des Stadtviertels ansprechen und darüber hinaus eine Brückenfunktion erfüllen. Hier können quartiersbezogene, nachbarschaftliche Kontakte erhalten und gepflegt, aber auch neue aufgebaut werden. Versammlungen, Vortragsrunden, altersgerechte Veranstaltungen wie Seniorensport und -tanz, ein stationärer Mittagstisch, Kaffeetreffs oder andere Angebote werden das Interesse unterschiedlicher Bevölkerungskreise wecken. Die Tagespflege wird im Erdgeschoss angesiedelt. Sie bietet sich als Teil des komplexen Versorgungssystems für ältere Menschen insbesondere dann an, wenn die ambulante Pflege nicht mehr ausreicht, ein Pflegeheim aber nicht notwendig ist. Sie fördert und aktiviert die praktischen Fähigkeiten ihrer Gäste und bietet ihnen Abwechslung, Geselligkeit und soziale Kontakte. Sie hilft so, die vertraute Umgebung so lange wie möglich zu erhalten. Und sie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung pflegender Angehöriger.

Das Betreute Wohnen wird auf drei Standorte verteilt, gruppiert um den sonnigen Innenhof. Südlich in der Grepelstraße 8 entstehen 9 betreute Wohneinheiten, 15 nördlich in der Hollstraße 20 und im Osten, in Verbindung zur Langen Straße 43, noch einmal 6 Seniorenwohnungen.

Das Projekt "Seniorenwohnen" in Güstrow spricht in erster Linie Menschen ab dem 60. Lebensjahr an, die gemeinsam mit anderen etwas Neues versuchen und aktiv bei der Gestaltung des Zusammenlebens in der Gemeinschaft mitwirken wollen. Das Grundkonzept richtet sich nach dem Wunsch, eigenständig zu leben, nicht allein, aber unabhängig zu sein, Verantwortung für andere zu übernehmen, gebraucht zu werden, jederzeit Geborgenheit zu erfahren und sich im Notfall ausreichend versorgt zu wissen.

Die Entwicklung einer echten Gemeinschaft wird deshalb schon mit Beginn der Planungsphase gefördert. Die Interessenten werden regelmäßig zu Versammlungen eingeladen. Hier erhalten sie Informationen, bringen Fragen, Wünsche und Vorschläge ein und sie lernen frühzeitig die zukünftigen Nachbarinnen und Nachbarn und Betreuungspersonen kennen.

Wie es geplant und gebaut wurde

Konzeption

Das durch die Modellreihe "Das intelligente Heim" geförderte Pflegeheim "Am Markt" befindet sich mitten im denkmalgeschützten, historischen Stadtkern von Güstrow. Im schlichten Eingangs- und Erschließungstrakt des Gebäudes sind Funktionsräume angeordnet, die Aufgaben für das gesamte Gebäude übernehmen. Auch der Fahrstuhl ist hier zu finden. Dieser zentrale Gebäudeteil sichert die Verbindung zu den vier autonomen Hausgemeinschaften. Er hat aber auch eine wichtige Trennfunktion zu gewährleisten, damit die Wohnbereiche ihre Selbstständigkeit wahren können.

Die Bauart und Gestaltung des Seniorenhauses orientiert sich weitestgehend an einem normalen Haushalt. In ihren Hausgemeinschaften erfahren die Bewohnerinnen und Bewohner Geborgenheit und Normalität. Sie leben hier in kleinen, familienähnlichen Gruppen mit einer überschaubaren Anzahl vertrauter Bezugspersonen. Die gemeinsame Essenszubereitung und Pflege der persönlichen Bewohnerwäsche (Bügeln, Zusammenlegen, Verteilen und so weiter) lässt sie aktiv an der Lebensgestaltung in der Gruppe teilhaben.

Das Personal wird den Schwerpunkten Hauswirtschaft und Pflege gleichermaßen gerecht, wobei aber die pflegerischen Tätigkeiten "dezent" im Hintergrund durchgeführt werden. Klar abgegrenzte Verantwortungsbereiche bei gleichzeitig umfassender Kompetenzenzuweisung sichern eine hohe Identifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrer Arbeitsaufgabe.

Die vier Hausgemeinschaften "Am Markt" bilden den Kern des neuen Seniorenzentrums "Viertes Viertel", weil sie es den Bewohnern ermöglichen, den letzten Lebensabschnitt hier im Stadtviertel ohne weitere Umzüge zu verbringen.

Die Hausgemeinschaften stellen einen umfassenden Rückhalt dar, wenn keine stabilen sozialen Beziehungen mehr vorhanden sind. Sie entsprechen damit den Bedürfnissen einer zunehmenden Anzahl von hochbetagten Mitmenschen. In je elf Einzelzimmern wird ein hoher Wohn- und Pflegekomfort gesichert. Der gemeinsame Küchen- und Essbereich und das Kaminzimmer entsprechen den Wünschen nach zwischenmenschlichen Kontakten unter familienähnlichen Bedingungen. Die wohnliche und überschaubare Architektur vermittelt insgesamt Obhut und Wärme. Ein modernes Erlebnisbad mit Wellness-Wanne, 'Sternenbeleuchtung' und musikalischer Umrahmung ermöglicht den Bewohnern angenehme Reiz- und Sinneswahrnehmungen.

Im Mittelteil einer jeden Hausgemeinschaft sind 4 Zimmer angeordnet. Dieser nachbarschaftliche Bereich ist Bewohnern vorbehalten, die diesen Rückzugsraum bevorzugen ("Distanztyp"). Die anderen 7 Zimmer haben direkten Zugang in die gemeinschaftlichen Bereiche und entsprechen damit eher einem ausgeprägten Wunsch nach engen zwischenmenschlichen Beziehungen ("Kontakttyp"). Der eingeschränkten Bewegungsfreiheit älterer Bewohner wird durch kurze Wege innerhalb der Hausgemeinschaft Rechnung getragen. Diese räumliche Nähe fördert wiederum die Mobilität und damit die selbstbestimmte Lebensgestaltung.

Modellcharakter

Das Haus "Am Markt" hält für pflegebedürftige und an Demenz erkrankte Menschen verschiedenartige Lösungsansätze bereit. Es kann sich auf unterschiedliche Bedürfnisse der Bewohner einstellen:

  • Vier autarke Hausgemeinschaften mit jeweils 11 Einzelzimmern sichern individuelle Entwicklungen des Zusammenlebens
  • Aufteilung und Spezialisierung hinsichtlich der Versorgung schwer demenzkranker, dauerhaft bettlägeriger oder schwerstpflegebedürftiger Bewohnerinnen und Bewohner ist möglich. Die Verlegung in eine andere Pflegeeinrichtung wird vermieden.
  • Jedes Zimmer verfügt über einen eigenen Sanitärbereich. Es kann individuell eingerichtet und bei Bedarf auch mit zwei Betten belegt werden.
  • Die Nutzung des Gebäudes als durch ambulante Pflege begleitete Wohngemeinschaften ist alternativ zum stationären Pflegeangebot möglich.
  • Sozial schwachen Interessenten kommt das preisgünstige Angebot entgegen, das unter anderem durch eine vergleichsweise kostensparende Bauweise und durch den Einsatz von Fördermitteln erreicht wird.

Da sich die Hausgemeinschaften unabhängig voneinander auf bestimmte Bedarfe einstellen können, wohnt dem Haus eine außergewöhnliche Flexibilität inne. Von Beginn an können vier unterschiedliche – jedoch miteinander verträgliche – Pflegekonzepte unter einem Dach realisiert werden. Jede Hausgemeinschaft kann darüber hinaus das Konzept autonom an den Entwicklungsstand seiner Bewohnerinnen und Bewohner anpassen, ohne dass es negative Auswirkungen auf das Haus als solches hätte.

Ausstattung

Das Raumprogramm stützt wesentlich das Betreuungs- und Pflegekonzept. Zentrale Lager und Nebenräume wurden, sofern nicht unabdingbar, zugunsten einem Mehr an Flächenangebot in den Wohnbereichen verringert oder weggelassen. Dagegen weisen die Bewohnerzimmer mit mehr als 20 Quadratmetern und einem ausgefeilten Zuschnitt das Potenzial auf, gegebenenfalls ein zweites Bett aufnehmen zu können. Auch das personenbezogene Pflege- und Verbrauchsmaterial kann hier gelagert werden. Das Pflegebett kann an vier unterschiedlichen Positionen des Zimmers aufgestellt werden. Einige Zimmer sind besonders rollstuhlgeeignet, andere können sogar ein Ehebett aufnehmen. Es bleibt Platz für persönliche Möbelstücke und Bilder, die an vorgesehenen Schienen befestigt werden können.

Reine Flurflächen wurden weitgehend vermieden. Die Erschließungsbereiche dienen als Raumaufweitungen und Bewegungsflächen. Die erforderlichen Wege sind für das Pflege- oder hauswirtschaftliche Personal sehr kurz gehalten.

Im Zusammenhang mit der technische Gebäudeausstattung ist die Solarenergie- und die Regenwassernutzung (zur Bewässerung der Außenanlage) zu nennen. Dies soll die Betriebskosten für die Bewohner langfristig senken.

Die Pflegedokumentation erfolgt über Terminals, die im Zentrum der jeweiligen Hausgemeinschaft stationiert sind. So wird die direkte und verrichtungsnahe Dokumentation durch das Personal ermöglicht, der betriebliche Ablauf optimiert und zur Entbürokratisierung in der Pflege beigetragen. Eingabe und Abfrage sind zentral wie dezentral möglich. Die Lichtrufanlage ist mit verschiedenen Ruffunktionen und Abfragevarianten ausgestattet, Schnittstellen bestehen auch zu Zutrittskontrollen und zur Brandmeldeanlage.

Ökologische, energie- und kostensparende Ziele werden ebenso durch die Kopplung der Heizung mit der Lüftung in den jeweiligen Räumen verfolgt. Die Temperatur in den Bewohnerzimmern und Aufenthaltsbereichen ist über eine zentrale Computeransteuerung regulierbar. Darüber hinaus bewirken 'intelligente' Steuerungsmechanismen die Absenkung der Heizkörpertemperatur, sobald und solange ein Fenster im Raum geöffnet wird.

Projektdetails

Träger

Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Güstrow e. V.
Hagemeisterstraße 5
18273 Güstrow

Architektur

Architektenbüro Erich Schneekloth
August-Bebel-Straße 8
19055 Schwerin

gefördertes Teilprojekt

Hausgemeinschaften "Am Markt"
Hollstraße 19
18273 Güstrow

Baubeginn

Dezember 2006

Fertigstellung

November 2007

Gesamtkosten

circa 3.800.000 Euro

Förderung: BMFSFJ "Das intelligente Heim"

700.000 Euro

Städtebaufördermittel Mecklenburg-Vorpommern

520.000 Euro

DHW

400.000 Euro

Sozialministerium Land Mecklenburg-Vorpommern

390.000 Euro

Grundstücksfläche

circa 3.615 Quadratmeter

Netto-Grundfläche

1.095 Quadratmeter

Plätze

44 Bewohner in 4 Hausgemeinschaften

Weitere Projekte am Standort

Betreutes Seniorenwohnen (im Bau)

Hollstraße 20
15 Seniorenwohnungen

Grepelstraße 8
9 Seniorenwohnungen

Lange Straße 43
6 Seniorenwohnungen

Tagespflege für Senioren (im Bau)

Lange Straße 41
15 Plätze

Begegnungsstätte für Senioren (im Bau)

Lange Straße 41
für circa 50 Besucher

Weitere Einrichtungen des Trägers

Pflegeheime in Teterow und Laage
Sozialstationen in Güstrow, Teterow und Laage
Betreutes Wohnen in Güstrow, Teterow, Laage und Krakow am See
Fahrdienste
Essen auf Rädern
Hausnotrufdienste
Rettungsdienst
Kindertagesstätten Güstrow, Bützow, Gnoien, Hohen Sprenz und Boddin
Kinder- und Jugendwohnhaus Güstrow
ambulante Jugendhilfe
Straffälligenhilfe
Schulsozialarbeit
Familienbildungsstätte
Schuldnerberatungsstelle
Schwangerenberatungsstelle

Projektpartner

Thermostat mit elektrischer Absenkfunktion

F.W. Oventrop GmbH & Co. KG
Paul-Oventrop-Straße 1
59939 Olsberg

Software / Pflegedokumentation

Dan Produkte Pflegedokumentation GmbH
Birlenbacher Straße 48
57078 Siegen