Beispiele anschaulich machen

Wohnprojektetage zeigen öffentliches Interesse - Erfolg auch messbar

Stellen wir in dieser Rubrik sonst den Werdegang und Erfolg einzelner Maßnahmen und Projekte dar, machen wir diesmal auf Veranstaltungen aufmerksam, die realisierte Projekte einer größeren Öffentlichkeit vorstellen, den sozialen und gesellschaftlichen Nutzen hervorheben und Herausforderungen benennen für diejenigen, die Maßnahmen selbst umsetzen wollen. Allein im September stehen folgende Vorträge, Besichtigungen und Fachgespräche an:

  • 05.09.2019:
    Brandenburger Aktionstag Wohnen im Alter in Hermannswerder
  • 27.09.2019:
    Wohnprojektetag Nordrhein-Westfalen in Gelsenkirchen
  • 28.09.2019:
    Informationsbörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen in Frankfurt/Main.

Die Treffen beleuchten aktuelle Fragen und zeigen, wie beispielsweise über ein Erbbaurecht oder über Pachtmodelle Vorhaben realisiert werden können, die dies aus eigener finanzieller Kraft nicht schaffen. Da sich die Projekte auch und vor allem an Menschen mit kleinen oder mittleren Einkommen richten und dauerhaft bezahlbare Mieten sichern wollen, scheiden klassische Investoren mit hohen Renditeerwartungen in der Regel aus. Es entspricht den Zielen der gemeinsamen Bemühungen des Bundes, der Länder und weiterer Förderer, Projekte zu begleiten, die mit gutem Beispiel vorangehen und übertragbare Lösungsansätze aufzeigen, jedoch einen Anschub benötigen.

Dabei lässt sich das bisher Erreichte auch in Zahlen ausdrücken. Nach Schätzungen des Kuratoriums Deutsche Altershilfe lag die Zahl gemeinschaftlicher Wohnprojekte im Jahr 2003 bundesweit bei circa 250. Spätere Untersuchungen, etwa des Deutschen Instituts für Urbanistik, ermittelten im Jahr 2014 eine Erhöhung auf etwa 500 bis 600, rund ein Drittel davon in genossenschaftlicher Hand. Für 2017 berechnete das Institut auf Basis einer Kommunalbefragung eine weitere Steigerung auf rund 850 Projekte (nicht mitgerechnet Pflegewohngruppen, die dem Heimrecht unterliegen). Die Zahl der Wohnungen, die in gemeinschaftlichen Wohnprojekten realisiert wurden, erhöhte sich von rund 8.900 auf 21.500. Damit erreichen die Menschen, die heute in gemeinschaftlichen Wohnprojekten leben, mindestens die Größenordnung einer kleinen Mittelstadt (circa 30.000 - 40.000 Menschen). Einige Institute schätzen auch höhere Zahlen, allerdings lassen sich diese derzeit nicht belegen.

Gewinn für alle: Trend zu gemeinschaftlichen und ambulanten Hilfeformen

Einhergehend mit diesen Entwicklungen ist auch interessant: Der Anteil der Menschen, die auf Pflege und Betreuung in einem stationären Pflegeheim und damit auf die in der Regel deutlich teurere und von den meisten Menschen nicht gewollte Variante angewiesen sind, ist gesunken: von 29 Prozent im Jahr 2013 über 27 Prozent 2015 auf 24 Prozent im Jahr 2017. Obwohl die Zahl der Pflegebedürftigen insgesamt erheblich angestiegen ist, hat sich der Trend hin zur ambulanten und häuslichen Betreuung unter Zuhilfenahme von Familie, Nachbarschaft und neuen Gemeinschaftsformen verstetigt und verstärkt - auf einen Anteil von 76 Prozent im Jahr 2017.

Auch wenn im Einzelnen der Beleg schwierig ist, kann dies als Erfolg der verstärkten Bemühungen gewertet werden, innovative Lebens- und Wohnformen unter Einbeziehung sozialräumlich und im Wohnumfeld verankerter Hilfeformen zu entwickeln und so Angebote zur Vermeidung stationärer Pflege auszubauen - so wie dies im Themenfeld "Zuhause im Alter" gemeinsam mit engagierten Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wohnungsgenossenschaften und weiteren Organisationen geschieht.

"Die Öffentlichkeit weiter zu informieren und dabei auf gebaute und erfolgreich umgesetzte Beispiele hinzuweisen, trägt auch dazu bei, das Thema in größeren Zusammenhängen zu denken und etwa auch große Wohnungsunternehmen für diese Wohnformen zu gewinnen", sagt Ricarda Pätzold vom Deutschen Institut für Urbanistik, die sich seit Jahren mit gemeinschaftlichen Wohnformen beschäftigt. "Das Lernen aus Praxisprojekten, der Wissenstransfer auch im Rahmen von Wohnprojektetagen, aber auch ein verlässliches Instrumentarium der Beratung und Begleitung von Projekten sind wichtige Komponenten, um der deutlich über dem bisherigen Angebot liegenden Nachfrage zukünftig gerechter werden zu können. Dabei geht es auch darum, die Bedeutung gemeinschaftlicher Wohnformen als Chance für die Stadt- und Raumentwicklung und als Teil der sozialen Infrastruktur anzuerkennen und zu nutzen", so die Ingenieurin und Stadtforscherin weiter.

Weitere Informationen

Deutsches Institut für Urbanistik
www.difu.de

Publikation „Gesucht! Gefunden? Alte und neue Wohnungsfragen“ der Bundeszentrale für Politische Bildung
www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/292579/gesucht-gefunden-alte-und-neue-wohnungsfragen

Stiftung Trias – Gemeinnützige Stiftung für Boden, Ökologie und Wohnen
www.stiftung-trias.de